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	<title>China-Watchblog &#187; Umweltverschmutzung</title>
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	<description>Eine Diktatur unter Beobachtung</description>
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		<title>Dicke Luft in Beijing</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jul 2008 17:26:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>China Watchblog</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Umweltverschmutzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gastbeitrag von Henning H&#252;nteler Was als erstes auff&#228;llt, wenn man im Sommer aus dem Flugzeug in Beijing oder Shanghai steigt ist, dass chinesische Luft wei&#223; ist. An den meisten Sommertagen sieht Beijing aus wie eine deutsche Stadt am fr&#252;hen Herbstmorgen. &#220;ber der ganzen Stadt liegt ein wei&#223;er Schleier, der es nicht erlaubt weiter als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><em><strong>Ein Gastbeitrag von <a target="_blank" href="http://www.chinawatchblog.de/gastautor-henning-huenteler.html">Henning H&#252;nteler</a></strong></em></p>
<p class="MsoNormal">Was als erstes auff&#228;llt, wenn man im Sommer aus dem Flugzeug in Beijing oder Shanghai steigt ist, dass chinesische Luft wei&#223; ist. An den meisten Sommertagen sieht Beijing aus wie eine deutsche Stadt am fr&#252;hen Herbstmorgen. &#220;ber der ganzen Stadt liegt ein wei&#223;er Schleier, der es nicht erlaubt weiter als 300 m zu sehen. Der Unterschied ist, dass die deutsche Herbstluft kalt und feucht ist, die chinesische warm und schw&#252;l. Kein Nebel liegt &#252;ber der Stadt, sondern dichter, wei&#223;er Smog. Woher er kommt kann ich nicht sagen. Die Ursachen d&#252;rften vermutlich am fehlenden Wind im Sommer liegen, am enormen Stromverbrauch durch die vielen Klimaanlagen, Fabriken in und um die Stadt herum, den vielen Autos, der sorglosen Art mit Energie umzugehen. Diese Liste lie&#223;e sich wohl noch lange fortsetzen, aber eigentlich m&#246;chte ich mir nicht &#252;berm&#228;&#223;ig Gedanken dar&#252;ber machen, was ich da Tag f&#252;r Tag einatme. Dabei ist der Smog gar nicht mal das schlimmste. Im Fr&#252;hjahr bl&#228;st der Wind aus der nahe gelegenen W&#252;ste Sand in die Stadt und die Luft f&#228;rbt sich gelb. Knirschen in den Z&#228;hnen und eine feine Staubschicht auf der ganzen Stadt sind da wohl nur die harmloseren Auswirkungen.</p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-66"></span></p>
<p class="MsoNormal">Das Ergebnis dieser Verschmutzung ist eine andauernde M&#252;digkeit, bei mir selber und bei Freunden und Bekannten, mit denen ich dar&#252;ber geredet habe. Laut Aussage des deutschen HNO-Arztes bei dem ich gestern wegen einer Nebenh&#246;hlenentz&#252;ndung war, verlaufen Erk&#228;ltungskrankheiten hier i.d.R. deutlich l&#228;nger und unangenehmer als in Deutschland – wobei das auch am feucht-warmen Klima liegen kann. An schlimmeren Tagen kommt es schnell zu Kopfschmerzen und leichtem Unwohlsein. Und bisher kann ich nur die kurzfristigen Auswirkungen beurteilen. Ich wei&#223; leider nicht genau, ob es Untersuchungen &#252;ber den Beitrag der Verschmutzung an der etwas k&#252;rzeren Lebenserwartung in China gibt. Sicherlich tragen die &#228;rmlichen Lebensumst&#228;nde gerade in l&#228;ndlicheren Gegenden, oft harte k&#246;rperliche Arbeit nicht unter 60 Stunden pro Woche und eine nicht optimale medizinische Versorgung bei sehr schwachem Versicherungsschutz ebenfalls ihren Teil dazu bei, aber wer die Luft hier schon mal gesehen hat, wird mir zustimmen, dass es auf Dauer nicht gesund sein kann, hier zu leben.</p>
<p class="MsoNormal">Interessant ist, dass die dramatische Umweltverschmutzung den Menschen zwar sehr bewusst ist, jedoch der Schluss, dass man durch den eigenen Lebensstil etwas daran &#228;ndern kann oft weit entfernt liegt. Wenn ich Chinesen erz&#228;hle, dass es bei meiner Arbeit um Umweltschutz geht, stimmen alle &#252;berein, dass die Verschmutzung in China ein ernstzunehmendes Problem ist und viel getan werden muss. Trotzdem schauen die meisten irritiert, wenn ich im Supermarkt sage, dass ich keine Plastikt&#252;te haben m&#246;chte, weil die T&#252;ten in China ein gro&#223;es Problem darstellen. Die meisten K&#252;hlschr&#228;nke und Klimaanlagen haben einen &#228;hnlichen Energieklassenaufkleber wie in Deutschland. Anders als bei uns zeigt der jedoch meistens die tiefrote Klasse 5 an. Wer ein Auto hat benutzt es auch, selbst f&#252;r kurze Distanzen und ein Bewusstsein f&#252;r M&#252;lltrennung gibt es auch fast nicht. Kurzum: Ein Gesp&#252;r daf&#252;r, dass jeder einzelne einen Beitrag leisten kann, gibt es nicht.</p>
<p class="MsoNormal">Auf der anderen Seite hat die Regierung das Problem begriffen. Auch wenn die Bereitschaft etwas zu tun noch nicht &#252;berschw&#228;nglich gro&#223; ist, r&#252;ckt die steigende Verschmutzung der Gew&#228;sser, Luft und des Bodens weiter ins Bewusstsein vor. China hat zwar gerade in Japan zusammen mit Indien eine weitreichende Klimagasreduktion abgelehnt, im Land selber wurden jedoch mittlerweile Gesetze erlassen und Entscheidungen getroffen, die erkennen lassen, dass man die Probleme langsam erkennt. So versucht die chinesische Regierung z.B. die Umsetzung des Kyoto-Protokolls deutlich zu vereinfachen. Da es im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu einer Art Entwicklungshilfe kommt, sind diese Ma&#223;nahmen, zwar nicht ganz uneigenn&#252;tzig zu sehen, aber z.B. die zur-Verf&#252;gung-Stellung von genauen CO2-Werten des Stroms, den man in den verschiedenen Regionen Chinas vom Netz beziehen kann, erleichtert die Arbeit in diesem Bereich enorm und sorgt f&#252;r eine schnellere und effektivere Umsetzung des Protokolls.</p>
<p class="MsoNormal">Seit dem 1. Juni ist die Produktion der 0.1 mm d&#252;nnen Plastikt&#252;ten Landesweit verboten und das kostenlose Verteilen in Superm&#228;rkten oder &#228;hnlichem ist auch nicht mehr m&#246;glich. Am Anfang war ich sehr skeptisch, ob man dieses Gesetz effektiv durchsetzt, aber es scheint zu funktionieren. Es werden nur noch dickere, wieder verwendbare T&#252;ten herausgegeben, und immer &#246;fter sieht man Menschen ihre eigenen Taschen zum einkaufen mitbringen. Zwar ist das nur ein Tropfen auf den hei&#223;en Stein, aber zumindest ist es ein Anfang.</p>
<p class="MsoNormal">W&#228;hrend ich im Urlaub in Deutschland war, wurden die staatlich fixierten Preise f&#252;r Benzin um 15ct angehoben. Ob diese Ma&#223;nahme erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten, aber die chinesischen Medien sind zur Zeit voll mit Berichten, die in positivem Ton dar&#252;ber schreiben, dass viele Menschen seit der Preiserh&#246;hung<span>  </span>&#246;fters mal den Bus benutzen und das Auto zu Hause lassen. Auf den Beijinger Stra&#223;en merkt man davon zwar noch nichts, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht ganz auf, dass es Umdenken im Gange ist.</p>
<p class="MsoNormal">Gerade mit den bevorstehenden Olympischen Spielen in Beijing lassen sich schon in dem einen Jahr das ich nun hier lebe, deutliche Ver&#228;nderungen erkennen. Die meisten davon sind leider nur kurzfristiger oder verlagernder Natur wie z.B. die Verschiebung von Schwerindustrie aus der Stadt heraus, die Schlie&#223;ung vieler Fabriken w&#228;hrend den Olympischen Spielen oder die tageweise wechselnde Fahrerlaubnis f&#252;r Fahrzeuge mit geraden und ungeraden Nummernschildern. Auch, wenn es vielleicht etwas naiv ist hoffe ich aber, dass diese Zwangseinf&#252;hrung von Fahrgemeinschaften und autofreien Tagen bei einigen Menschen ein Umdenken bewirkt. Hinzu kommt, dass das bisher v&#246;llig unzureichende U-Bahnnetz von bisher 2 auf 7 Linien erweitert wurde und diese bessere Verkehrsanbindung den Verkehr auf Beijings Strassen vielleicht auch ein wenig reduzieren kann.</p>
<p class="MsoNormal">Insgesamt ist die Verschmutzung in China also ein sehr ernstes Problem. Sie verursacht wirtschaftlichen Schaden und wirkt sich sch&#228;dlich auf die Gesundheit eines Jeden aus, der hier lebt. Ein Bewusstsein f&#252;r Umweltschutz und den eigenen Beitrag hierzu ist bisher nur unzul&#228;nglich verbreitet. Besonders von Regierungsseite beginnt man allerdings langsam dieses Problem zu erkennen und <span> </span>- wenn auch erst nur z&#246;gerlich – etwas zu tun. Dass diese Ma&#223;nahmen bisher v&#246;llig unzul&#228;nglich sind steht au&#223;er Frage aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Das Bewusstsein f&#252;r diese Probleme ist in Deutschland auch nicht von heute auf morgen gekommen und wie alle Ver&#228;nderungen, die eine ganze Bev&#246;lkerung betreffen – erst recht wenn sie aus fast 1,4 Mrd. Menschen besteht – wird auch diese viel Zeit in Anspruch nehmen. Wie bei einigen anderen Ver&#228;nderungen, die die westliche Welt von China fordert, vergessen wir oft, dass wir selbst sehr lange gebraucht und solche Reformen St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck eingef&#252;hrt haben um zum jetzigen Stand zu gelangen. In China kommt erschwerend hinzu, dass wir jahrelang einen hoch entwickelten aber dekadenten Lebensstil vorgelebt haben und so eine sch&#246;ne neue Welt aufgebaut haben, die sich China nun auch erarbeiten m&#246;chte.<span>  </span>Ein echtes Bewusstsein f&#252;r Umweltschutz – und die Bereitschaft ihn zu praktizieren – zu wecken, wird hier noch lange dauern und kann – meiner Meinung nach &#8211; nur funktionieren, wenn die westliche Welt ihre Streitereien auf diesem Gebiet beiseite legt und endlich mit gutem Beispiel voran geht. You’ve got to practice what you preach!</p>
<p><!--EndFragment--></p>
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