Besonnenheit, Part 2
Vorschnelles, unreflektiertes Handeln ist nichts, das man im Mediengeschehen gebrauchen kann. Besonnenheit ist in der Regel viel angebrachter. Würden unsere Leitmedien sich an diesen einfachen Grundsatz halten, bräuchten sie heute nicht reihenweise zu dementieren.
Dabei gebe ich zu, dass auch ich gestern ob der dpa-Meldung, dass alle ausländischen Studenten China zur Olympiade verlassen müssen, versucht war, spontan ein Pamphlet raus zu schießen. Bereits nach kurzer Recherche erschien mir aber die Faktenlage für ein derartig definitive Aussage zu schwammig. Obschon in deutschen Medien stets von “mehreren Universitäten und Diplomaten” gesprochen wurde, ließen sich nachhaltig bloß zwei Universitäten verifizieren, die – dann aber auch wieder nur angeblich – solche Aussagen getätigt haben wollten.
Schnell wurde aus der Schätzung des DAAD, “mehrere zehntausend ausländische Studenten” gebe es in China eine Faktenbehauptung. Klar, dass es dramatisch klingt, wenn man – wie die Süddeutsche- schreibt: “Im Juli und August müssen mehrere zehntausend ausländische Studenten China verlassen.” Nur wahrer wird es durch diese Dramatik leider nicht. Übrigens: Es gibt lediglich rund 1500 deutsche Studenten in China.
Heute wird nun also zurückgerudert. Und zwar, das ist das Interessante, im Prinzip unter Berufung auf die gleichen Quellen, insbesondere den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst). Von einer solchen Regelung sei nichts bekannt, ließ dieser verlauten. Wie es dazu kommen konnte, dass die dpa den Dienst zuvor mit der Angabe zitierte, dass im Sommer mehrere zehntausend ausländische Hochschüler China verlassen müssten, ist unklar. Der dpa wahrscheinlich nicht, mir schon.
Der Medienkrieg geht weiter…
