SpOn und der Enterovirus 71
Schon der Header ist Unsinn. ““Kinder-Sars” breitet sich aus – schon 24 Todesfälle“. Erst im Verlaufe des Artikels räumt SpOn unterschwellig ein, dass es sich bei HFMD (Hand-Foot-Mouth-Disease) nicht um eine Unterart oder auch nur um ein entfernt verwandtes Virus der Lungenkrankheit Sars handelt. Es gibt absolut keinen sachlichen, schon gar nicht medizinischen Grund, HFMD mit Sars in Verbindung zu bringen.
SpOn aber legt noch einen drauf: “Chinas Behörden warnen vor einer neuen Epidemie, die sich ähnlich schnell und tödlich ausbreiten könnte wie einst die Atemwegserkrankung Sars.” Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Vielmehr ist HFMD eine weltweit verbreitet auftretende Virusinfektion, die in den allermeisten Fällen völlig komplikationslos verläuft. In der Regel ist der Spuk nach drei Tagen ohne Medikation wieder vorbei. In schweren Fällen werden Fiebersenker gegeben.
Noch einmal völlig falsch dann diese Aussage: “Die durch den bis dato unbekannten Coronavirus ausgelöste Krankheit der Atemwege hatte sich 2003 von Guangdong aus verbreitet und weltweit 774 Menschen das Leben gekostet.” Richtig ist vielmehr, dass Fälle von HFMD, die durch den E-71 ausgelöst wurden, weltweit seit 1969 auftreten. Unter den betroffenen Ländern waren die USA, Europa, Brasilien, Malaysia, Taiwan, die Malediven, Australien und Indien. Seit 2003 sind nicht etwa über 700 Menschen ums Leben gekommen, sondern runde 30. Der schwerste Ausbruch des Enterovirus 71 bislang wurde 1998 in Taiwan mit geschätzten 1,5 Millionen Infizierten und 78 Toten verzeichnet. Ein Jahr zuvor starben in Malaysia 34 Kinder an HFMD bzw. den sich daraus entwickelnden Komplikationen.

Mai 5th, 2008 at 16:53
[...] SpOn und der Enterovirus 71 [...]
Mai 5th, 2008 at 18:14
o je, ich glaub’ ich spür da ein Lippenbläschen!?
Mai 13th, 2008 at 11:13
Am Wochenende kam eine Arbeitskollegin aus China zurück, die dort ihren Bruder besucht hatte. Die Krankheit muss schon heftigst umgehen. Da die Chinesen bei den Krankheiten ihrer Kinder überempfindlich reagieren (dürfen ja meist nur ein Kind bekommen), werden die Krankenhäuser sofort aufgesucht, wenn sich etwas abzeichnet. Da ist schon viel Panik dabei und die Symptome sind ja ähnlich.
Mai 13th, 2008 at 16:34
In einem Punkt hat der Autor den Spiegel-Text leider missverstanden, denke ich zumindest. Das hier “Die durch den bis dato unbekannten Coronavirus ausgelöste Krankheit der Atemwege hatte sich 2003 von Guangdong aus verbreitet und weltweit 774 Menschen das Leben gekostet.” bezieht sich doch auf SARS und nicht auf HFMD, oder? Ist missverständlich formuliert und nur lose aus dem vorhergehenden Satz im Originaltext zu schließen.
Mai 13th, 2008 at 17:46
Und in den Krankenhäusern stecken sie sich dann erst recht an.