Schnelle Lösung angestrebt
Wie die Neue Züricher Zeitung meldet, strebt China einen schnellen Abschluß der Unruhen in Tibet an und möchte die über 1000 inhaftierten Tibeter noch im April aburteilen. Neben den rund 800 festgenommenen Tibetern wird es auch Prozesse für die rund 280 Gefangenen geben, die sich selbst gestellt hatten. Es bleibt abzuwarten, ob letztere wie versprochen wirklich milder behandelt werden und ob es Todesurteile geben wird.
Zeitgleich hat die chinesische Führung auch angekündigt, dass Tibet für Touristen zum 1. Mai wieder geöffnet wird. Reiseveranstalter, Hotels, Restaurants und Souvenirläden klagen seit der Abriegelung über massive Umsatzverluste.

April 4th, 2008 at 07:37
Hätte es das Wort “Lösung” nicht auch getan ?
Ich kann eine große Verärgerung durchaus nachvollziehen, ich bin da nicht anders gepolt, aber in diese Art Jargon zu verfallen ist eher kontraproduktiv, aggressiv und eigentlich auch wenig schmeichelhaft für den Autoren.
Finde ich.
April 4th, 2008 at 07:47
Du hast recht, ich war das gestern ein wenig aufgewühlt, als ich die Nachricht las.
April 6th, 2008 at 05:15
Na klar klingt das hart, wenn hier von “aburteilen” die Rede ist. Aber hat jemand was anderes erwartet? In China müssen Verdächtige nie lange auf ein Gerichtsverfahren warten, warum sollte man – aus Sicht der chinesischen Behörden – hier eine Ausnahme machen? Je länger sich evtl. Gerichtsverfahren hinziehen, desto näher rücken die Olympischen Spiele.
Auch wenn in China vielleicht Handlungen unter Strafe stehen, die bei uns kein Grund zur Aufregung wären, auch wenn das Stafmaß in unseren Augen drakonisch sein mag, die Handlungen, die den Verdächtigen vorgeworfen werden, sind nach chinesischem Recht strafbar.
Versteht mich nicht falsch: Ich bin voll und ganz gegen die Todesstrafe, in welcher Form auch immer, ob in China, den USA, oder sonst wo. Genausowenig möchte ich es in irgendeiner Weise schönreden oder gut heißen, sollte in dieser Angelegenheit die Todesstrafe verhängt werden. Ebenso möchte ich natürlich nicht bestreiten, dass es von der anderen Seite Aktionen gegeben hat, die nach deutschem und chinesischem Rechtsempfinden, strafbar sind. Auch die Wut der Tibeter kann ich gut verstehen.
Aber: Wenn es bei einer Demonstration in Deutschland Brandtstiftungen und sonstige Ausschreitungen gegeben hätte, würde es ebenso Gerichtsverfahren und -urteile gegen (so geschehen nach Heiligendamm). Und diese Ausschreitungen hat es gegeben. Von wem, in welcher Form, in welcher Situation muss in einem Gerichtsverfahren geklärt werden.
April 6th, 2008 at 09:12
Was mich gewaltig stört, ist die Tatsache, dass da nach 30 Minuten Prozess Leute für Jahre ins Gefängnis gesteckt werden. Schau Dir nur den Prozess von Yang Chunlin an. Und da besteht schon ein Unterschied zu den Prozessen nach Heiligendamm.
April 6th, 2008 at 10:57
Richtig, nur gibt es in einem Rechtsstaat Grenzen dafür, was der Staat als strafbar ansehen und verbieten darf. Wir nennen das Grundrechte.
Und auch, wenn manche der Tibeter tatsächlich Taten begehen, die auch in Deutschland strafbar wären: Was sollen sie denn gegen ihre Unterdrückung legales machen? Ach ja, stimmt… sie könnten sich ja einfach eine andere Regierung wählen…
April 6th, 2008 at 14:25
Das mit den Grundrechten ist ein interessantes Thema über das ich schon Abende lang diskutiert habe. Wo kommen unsere Grundrechte her? Man könnte argumentieren, dass die Chinesische Kultur einige Tausend Jahre älter ist, als unsere und man eine lange Tradition des “Nicht-Kennens” westlicher Grundrechte fortführt. Wer sind wir als junge Kultur anzukommen und China vorzuschreiben, nach welchen Maßstäben man Menschen zu behandeln hat.
Ich sage nicht, dass ich alles, was hier abgeht für gut erachte, nicht einmal ansatzweise, aber denkt mal darüber nach. Unsere ethischen Werte sind keineswegs per se allgemeingültig für alle Kulturen anwendbar. Trotzdem versucht der Westen seit langem der Welt seine Werte aufzupressen. Was militärisch von 100 Jahren gescheitert ist, wird durch politische und wirtschaftliche Institutionen und Konzerne fortgeführt. Ist das nicht irgendwo auch eine Art des “Kulturimperialismus”, wie er von vielen Chinakritikern angeprangert wird?
April 7th, 2008 at 15:33
Aus grundlegenden Betrachtungen über das Wesen und die Würde des Menschen, aus historischen Gegebenheiten und schließlich auch aus der bitteren (und zahlreichen) Erfahrung, was passiert, wenn man bestimmte Grundrechte nicht beachtet. Und schließlich auch daher, daß es sich – pragmatisch betrachtet – in einer die Grundrechte achtenden Gesellschaft ganz gut leben läßt.
Das halte ich für einen sehr gefährlichen Ansatz. Meinesachtens kann sich kein Land darauf berufen, daß es in ihm nunmal Tradition ist, Menschen zu unterdrücken, ihnen die freie Meinungsäußerung zu verbieten und sie nach Belieben zu verhaften. Natürlich gab es das alles auch in Europa einmal; nur haben wir diese Zeiten Gott sei Dank bewußt überwunden. Und ich bezweifle sehr, daß Diktatur irgendwo auf dieser Welt zum kulturellen Erbe gehört.
April 7th, 2008 at 16:10
Frage ist nur, wie man es anderen Kulturen erklärt, dass die eigene die richtige ist.