Scheiß Dalai Lama?
Man kann ja vom Besuch des Dalai Lama halten, was man mag. Man kann es sinnvoll oder schädlich halten, wenn sich führende deutsche Politiker mit ihm treffen. Der Weg der stillen Diplomatie mag genauso seine Daseinsberechtigung haben, wie der offene Protest gegen das menschenrechtsverletzende Regime in Peking. Dass einer konservativ und wirtschaftsfreundlich geführten Regierung die Beziehungen zu China wichtiger sind als Menschenrechte in Tibet, ist auch kein großes Geheimnis. Nach der Schelte, die Fr. Merkel beim letzten Empfang des Dalai Lama aus dem Land der Mitte bekam, hatte sie diesmal das Glück, eine gute Ausrede zu haben. Klar könnte man jetzt auch fragen, was sie in Südamerika zu suchen hatte und warum sie einmal mehr nicht den zuständigen Aussenminister schickte. Da mögen wohl eher parteipolitische Gründe den Ausschlag gegeben haben, aber das ist ein anderes Thema. Auch bin ich der Meinung, dass man den Dalai Lama sehr wohl empfangen kann, wenn sogar die chinesische Führung wieder mit dessen Vertreter verhandelt.
Frau Merkel war also entschuldigt und trotzdem wäre es ihre Aufgabe gewesen, in der Öffentlichkeit einmal deutlich Stellung zu beziehen. Scheinbar gab es aber in der Koaliton eine halbseidene Absprache, den Dalai Lama nicht zu empfangen. Und so war die Taktik wohl aussitzen und zu warten, bis der Besuch vorbei ist. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD hat das aber scheinbar niemand rechtzeitig mitgeteilt und so hat sie dem Dalai Lama in seinem Hotel einen Besuch abgestattet. Und was darauf dann als Reaktion kam, ist eigentlich nur noch peinlich. Als nämlich Kurt Beck meinte, “der Scheiß war nicht mehr rückgängig zu machen”, war das mehr als beschämend für jemanden, der seine Partei als Kanzlerkandidat in die nächste Bundestagswahl führen möchte. Von jemanden in seiner Positionen würde man ein wenig mehr Anstand und Respekt erwarten. Und wenn er dadurch seine eigene Partei erneut in die Defensive gedrängt sieht, bin ich mal gespannt, was wir in Zukunft noch hören werden, wenn mal wieder etwas gerade nicht in den Wahlkampf passt.

Mai 19th, 2008 at 17:28
Ich finde es super traurig, dass China es mittlerweile schafft unsereen Politikern das Gespräch mit dem Dalai-Lama “zu verbieten”…
Es lebe die Wirtschaft…
Mai 19th, 2008 at 21:30
[...] Besuch war also nett und herzlich. Weniger von letzterem Kaliber ist aber das Verhalten der offiziellen Volksvertreter – man nennt sie auch Politiker – gegenüber dem tibetischen [...]
Mai 20th, 2008 at 02:44
Im Ungang mit China ist vor allem weltpolitische Professionalität gefragt, und da klafft bei Herrn Beck eine gewaltige Lücke. Ein offenes Nein ist im Hinblick auf die Spannungen von 2007 für alle Seiten akzeptabel, dieses Vorgehen allerdings tatsächlich peinlich für die Bundesrepublik und letztlich unvereinbar mit den (auch sozial-) demokratischen Grundwerten.
Mai 20th, 2008 at 20:57
Beck ist und bleibt ein Provinzler der schlichten Sorte. Solche muss es auch geben; Kanzler wird man mit dieser Piefke-Mentalität allerdings nicht. Da wird sich dann ein Steinmeier freuen dürfen.
Jetzt hat der zwar auch den Dalai Lama nicht empfangen; er hat es diplomatisch gekonnt ausgesessen. Was politisch für ihn nicht einfach war. Und genau das hat er Beck voraus; Weitsicht im Umgang mit den sensiblen Themen dieser Welt. Dazu gehört auch, im richtigen Moment auf PR zu verzichten. Denn nichts anderes wäre es gewesen, in der jetzigen Situation den Dalai Lama zu treffen; und der erste, der das verstanden hat, war der Dalai Lama selbst.
Februar 15th, 2010 at 13:28
Gäbe es nur viel mehr dieser tollen, freundlich, lieblichen Menschen auf der Welt.
Es würde viel verändern auf dieser Erde!