China-Watchblog

Eine Diktatur unter Beobachtung
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Gastautor Jochen Gottwald

April 22, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein

Jochen Gottwald ist Inhaber der Firma The Fashion rEvolution, die unter dem Markennamen “better” seit Juli 2007 Arbeitskleidung, Promotionwear und Merchandisingtextilien aus Biobaumwolle und fairem Handel vertreibt. Mittlerweile gibt es auch für den Endkunden die ersten biofairen Polos, ab Juni 2008 die ersten T-Shirts.

Vielen ist er und sein Blog noch durch seine Petition gegen das Olympiaschutzgesetz in Erinnerung, die er als Folge der Abmahnung gegen das Saftblog von Kirstin Walther startete. In seinem heutigen Beitrag Menschenrechtsverletzungen in China geht er auf die Rolle ein, die multinationale Konzerne in diesem Zusammenhang spielen.

Die Ladung der An Yue Jiang

April 19, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien, Menschenrechte

Die An Yue Jiang ist ein Frachtschiff der chinesischen Ocean Shipping Company und liegt derzeit vor oder in Durban, Südafrika. Die Quellenlage ist unklar. Teils wird gemeldet, dass das Schiff bislang nicht in den Hafen einlaufen durfte, teils wird gemeldet, die Ware sei bereits auf ihrem Wege.

Übereinstimmend wird berichtet, dass die An Yue Jiang 77 Tonnen Waffen an den Machthaber Mugabe in Zimbabwe liefern soll. Allein 3,5 Millionen Munitionseinheiten für das Schnellfeuergewehr AK47 sollen Teil der Lieferung sein. Südafrikanische Medien wollen den Vorgang aufgedeckt haben.

Die südafrikanische Regierung gibt sich ohnmächtig. Wenn die Schiffspapiere in Ordnung sind, könne man nichts machen, verlautet es aus dem Hause Mbeki. Anscheinend sind diese in Ordnung. Formalismen sind relativ leicht zu erfüllen. (Zur Erläuterung: Zimbabwe verfügt über keinen eigenen Hafen.)

China will sich den Zugriff auf Zimbabwes Platinumvorkommen wohl mit aller Gewalt sichern. Dabei ist man anscheinend der Auffassung, dass die Stützung des 84-jährigen Diktators Mugabe der richtige Weg ist. Koste es Menschenleben, soviel es wolle.

Verständlich. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Besonnenheit, Part 2

April 18, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien, Olympische Spiele

Vorschnelles, unreflektiertes Handeln ist nichts, das man im Mediengeschehen gebrauchen kann. Besonnenheit ist in der Regel viel angebrachter. Würden unsere Leitmedien sich an diesen einfachen Grundsatz halten, bräuchten sie heute nicht reihenweise zu dementieren.

Dabei gebe ich zu, dass auch ich gestern ob der dpa-Meldung, dass alle ausländischen Studenten China zur Olympiade verlassen müssen, versucht war, spontan ein Pamphlet raus zu schießen. Bereits nach kurzer Recherche erschien mir aber die Faktenlage für ein derartig definitive Aussage zu schwammig. Obschon in deutschen Medien stets von “mehreren Universitäten und Diplomaten” gesprochen wurde, ließen sich nachhaltig bloß zwei Universitäten verifizieren, die – dann aber auch wieder nur angeblich – solche Aussagen getätigt haben wollten.

Schnell wurde aus der Schätzung des DAAD, “mehrere zehntausend ausländische Studenten” gebe es in China eine Faktenbehauptung. Klar, dass es dramatisch klingt, wenn man – wie die Süddeutsche- schreibt: “Im Juli und August müssen mehrere zehntausend ausländische Studenten China verlassen.” Nur wahrer wird es durch diese Dramatik leider nicht. Übrigens: Es gibt lediglich rund 1500 deutsche Studenten in China.

Heute wird nun also zurückgerudert. Und zwar, das ist das Interessante, im Prinzip unter Berufung auf die gleichen Quellen, insbesondere den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst). Von einer solchen Regelung sei nichts bekannt, ließ dieser verlauten. Wie es dazu kommen konnte, dass die dpa den Dienst zuvor mit der Angabe zitierte, dass im Sommer mehrere zehntausend ausländische Hochschüler China verlassen müssten, ist unklar. Der dpa wahrscheinlich nicht, mir schon.

Der Medienkrieg geht weiter…

Podcast Trackback auf Radio Fritz

April 16, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein, Medien, Olympische Spiele

Die Sendung Trackback des Berliner Senders Fritz hat sich am Samstag unter anderem mit dem Thema Olympia beschäftigt. Es gab auch ein Interview mit Dieter zu den Ambitionen des Chinawatchblog.

[audio:http://spreeblick.com/trackback/podpress_trac/web/287/0/trb_080412.mp3]
Der Podcast hat rund 50 MB und Dieter ist ab 27:30 zu hören.

Die andere (Internet)Seite

April 16, 2008 Von: Torsten Kategorie: Allgemein

Wir haben ja von Anfang an klar gestellt, dass dieser Blog auch dazu dienen soll, kontroverse Diskussionen auszulösen sowie die Dinge von vielen Seiten zu betrachten. Bisher haben wir hier doch wesentlich über einen Boykott der olympischen Spiele, die Menschenrechtslage in China etc. geschrieben.

Aber wie denken eigentlich die Menschen, in deren Land all die Dinge stattfinden bzw. stattfinden sollen? Die meisten Chinesen, denen bewusst ist, dass die olympischen Spiele in ihrem Land stattfinden (viele Teile der verarmten Landbevölkerung haben da wohl andere Probleme), sind sehr stolz auf die Spiele und fiebern diesen entgegen. Diesbezüglich hab ich grad einen Beitrag bei TechCrunch gelesen, wonach als Reaktion auf die anhaltende Kritik des Westens an den Spielen Tausende von Chinesen einen “Love China” – Icon zu ihren MSN-Chatnamen hinzufügen, um somit Unterstützung für ihr Land zu demonstrieren.

OK, Tausende sind in China nicht eben viel. Aber laut TechCrunch verbreitet sich das Icon wie ein Virus bei den chinesischen Usern. An meiner Meinung ändert das nichts, aber auch das gilt es zu beobachten.

Die kritische Masse

April 15, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele, Tibet

Heute hat die Judo-Kämpferin Yvonne Bönisch erklärt, dass sie aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen wird. Sie folgt mit dieser Entscheidung der Degenfechterin Imke Duplitzer, die ihren Verzicht schon vor knapp zwei Wochen verkündet hat. Für die Sportler ist das wohl die vernünftigste Art des Protestes, denn niemand kann ihnen abverlangen, ihre sportliche Karriere aufs Spiel zu setzen. Gerade für die Athleten der “kleinen” Sportarten ist so eine Großveranstaltung enorm wichtig.

Die Frage ist nur, wer bemerkt so einen Protest? Bei den olympischen Sommerspielen 2004 waren 453 deutsche Sportler in Athen dabei. Wie viele davon bei der Eröffnungsfeier anwesend waren, konnte ich leider nicht recherchieren. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass immer eine größere Zahl der Athleten fehlt. Sei es, weil die Disziplin bereits am ersten Wettkampftag stattfindet oder weil der Athlet erst in der zweiten oder dritten Woche dran ist und noch gar nicht angereist ist. Wird so ein Boykott Einzelner bei der Eröffnungsfeier dann überhaupt wahr genommen? In Deutschland sicherlich, in China aber wohl kaum.

Wie hoch ist die kritische Masse? Wahrscheinlich würde es der chinesischen Öffentlichkeit nicht einmal auffallen, wenn die halbe Mannschaft fehlen würde. Ein wirkliches Zeichen könnte man also allenfalls setzen, wenn die komplette Mannschaft zusammen mit der deutschen Fahne im olympischen Dorf bleiben würde. Dafür habe ich allerdings wenig Hoffnung. DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach ist bekannterweise gleichzeitig Vizepräsident des IOC und als solcher wird er sich hüten, so etwas zu organisieren.

Die Werkstation zeigt Flagge

April 13, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Tibet, Wirtschaft

DIE WERKSTATION ist ein Anbieter für Kiosksysteme und Info-Terminals. Via Spreeblick habe ich auf der Startseite des Unternehmens folgendes Statement entdeckt:

Die Werkstation zeigt Flagge 

Mit brutaler Gewalt geht die chinesische Regierung gegen die Demonstranten in Tibet vor. Auch vor Frauen und Kindern macht das Militär keinen Halt. Wir haben daher beschlossen, keine in China hergestellten Produkte mehr einzusetzen – auch wenn dadurch Mehrkosten entstehen. Wir wissen wohl, dass das nur ein kleiner Beitrag ist – aber wir denken, dass dies wahrscheinlich die einzige Sprache ist, die die hohen Herren in China verstehen.

Mit der Firma hatte ich bereits geschäftlich zu tun und in den Produkten der Firma werden auch normale Standard-PCs und Displays verbaut. Wer schon jemals PCs assembliert hat und dafür Komponenten eingekauft hat, der kann einschätzen, dass es gar nicht so leicht ist, diese Maßnahme auch umzusetzten. Ein Großteil der Bauteile kommt mittlerweile aus China und bei der Bestellung im Großhandel ist das Herstellungsland kaum zu erfahren. Ein schwieriges Unterfangen also.

Nun könnte man das auch als Marketingaktion abtun, was ich persönlich in diesem Fall aber nicht glaube. Zwar wird sich das Unternehmen die nächsten Tage eines regen Medieninteresses erfreuen, doch da solche Kiosksysteme keine Produkte des täglichen Gebrauchs sind, dürfte das sicherlich nicht der Grund für die Entscheidung gewesen sein. Vielmehr zeigt es deutlich, dass es durchaus Firmen gibt, denen es nicht nur um den reinen Profit geht. Und vielleicht wird ja auch ein Stein ins Rollen gebracht, wenn sich noch mehr Firmen dieser Art des Protestes anschließen.

Warum ein Boykott gar nicht so leicht ist

April 12, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Allgemein, Medien

Um die Diskussion mal ein wenig entspannter zu gestalten, möchte ich Euch auf diesen Podcast hinweisen.

China-Watchblog bei Radio Fritz – Trackback

April 12, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Allgemein, Olympische Spiele

Heute abend ab 19 Uhr das Radio oder den Livestream einschalten. Trackback beschäftigt sich mit dem Thema Olympia. Und neben den Netzathleten und den Reportern ohne Grenzen kommen auch die China-Watchblogger zu Wort.

Besonnenheit und Mäßigung

April 11, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien, Olympische Spiele

Mit dem Background einer westlichen Erziehung und randgefüllt mit teils sogar überzogenen Vorstellungen, wie persönliche Freiheitsrechte ausgestaltet sein müssen, lässt sich China im Handumdrehen in Bausch und Bogen verdammen. Sehr schnell sind die Befürworter der olympischen Spiele 2008 mit Regimetreuen gleichgesetzt und die Pro-Tibet-Aktivisten gehen weitgehend kritiklos als das personifizierte Gute durch. So einfach sollte man sich jedoch weder die eine, noch die andere Beurteilung machen.

Die Befürworter der olympischen Spiele sind, soweit es sich um im Ausland lebende, beispielsweise studierende Chinesen handelt, vermutlich in ihrer absoluten Überzahl einfach Menschen, die sich darüber freuen, dass die Spiele in ihrem Heimatland stattfinden. Das ist in keiner Weise inakzeptabel, noch sonstwie kritikwürdig. Es ist vielmehr zutiefst verständlich.

Auch die Überzeugung, dass man die Spiele nicht mit politischen Fragestellungen vermischen sollte, ist nicht ungewöhnlich. Besonders dann nicht, wenn man bedenkt, dass die Trennung scheinbar homogen zu betrachtender Vorgänge und Abläufe auch im Westen seit langem Usus ist. Ich erinnere beispielhaft an den Friedensnobelpreis für Jasir Arafat.

Die Gegner der Spiele oder besser die vermeintlichen Gegner der Spiele oder besser die vermeintlichen Gegner der Spiele an dem gegebenen Austragungsort sind indes ebenfalls nicht in Gänze von moralisch-ethisch einwandfreien Motivationen und eben solchen Verhaltensweisen geprägt. Die durchaus deutlich gewaltsamen Protestaktionen im Rahmen des Fackellaufes, auch wenn man gern die Reinheit der Zielsetzung befürworten will (sich dabei aber irren könnte), können nach westlichen Vorstellungen von angemessener, demokratischer Meinungsäußerung keinesfalls als akzeptables Mittel zum Zweck durchgehen.

Insbesondere die körperlichen Übergriffe auf die paralympische Fechterin Jin Jing, die in Paris die Fackel im Rollstuhl sitzend trug, sind auf das Schwerste zu verurteilen. Demonstranten hatten – letztlich erfolglos – versucht, der Behinderten die Fackel gewaltsam zu entreißen und sie dabei an Gesicht und Beinen verletzt. In China wird Jin Jing deshalb als Heldin verehrt. Die Staatsmedien bezeichnen sie als den “lächelnden Engel im Rollstuhl” und nutzen den Vorfall gezielt zur Propaganda. Zu Recht, möchte ich anfügen, wenn auch sicherlich in dieser Hinsicht offenbar übertrieben wird, wobei sich Frau Jing stets sehr gemäßigt und menschlich äußert. Westliche Medien haben den Vorfall in der Regel nicht einmal aufgegriffen.

Resetted man seinen bisherigen Meinungsmesser bezogen auf Peking 2008 einmal und denkt neu über das Thema nach, stellt man relativ schnell fest, dass hier mindestens ein Medienkrieg zu beginnen, wenn nicht gar in vollem Gange zu sein scheint. Geführt mit allem, was Medien widerlich macht. Falsche Berichterstattung, wie diejenige über die mindestens 1,90 Meter großen Mordmaschinen in den blauweißen Trainingsanzügen mit den mysteriösen Gürteltaschen, weglassende Berichterstattung, wie das Ignorieren der Übergriffe auf eine behinderte Sportlerin. Auf der chinesischen Seite dann die völlige Überhöhung desselben Vorfalles, die religiös-motivierte Rhetorik mit Begriffen wie Blasphemie oder die Schmähung westlicher Zeitungen als “Goebbels Nazi-Medien“.

Es ist selbst für klar denkende Westeuropäer mit einigermaßen scharfem Verstand schwer, sich dieser Manipulationsmaschinerie nachhaltig besonnen zu widersetzen. Gelogen wird immerhin auf beiden Seiten. Wie so häufig liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Dafür spricht zumindest die Statistik.

Diese Betrachtung ist nicht ganz risikolos, kann sie doch falsch sein. Aber sie erlaubt uns wenigstens ein Festhalten an Kardinaltugenden. So bleibt man bei alldem Mensch.