Mai 14, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Tibet
Bei seinem letzten Besuch wurde der Dalai Lama von unserer Bundeskanzlerin empfangen und anschließend gab es größtensteils Zustimmung aus allen politischen Lagern. Die chinesische Führung war darüber allerdings gar nicht amused und die Führer der deutschen Wirtschaft dürfte es auch nicht so recht gepasst haben. Das war noch, bevor die Tibetkrise eskaliert ist und im Nachhinein meinte so mancher Politiker, mit stiller Diplomatie würde man weiterkommen als mit “Provokationen”. Andererseits könnte Frau Merkel durch solche Aktionen ein Zeichen für die Menschenrechte setzen. Es allen recht zu machen, ist da natürlich unmöglich.
Der deutschen Wirtschaft hat es bisher noch nicht geschadet, aber natürlich wird immer gleich gewarnt, dass man es sich mit den Chinesen nicht verscherzen dürfe. Die Franzosen hat es schließlich schon ein klein wenig erwischt. Nach der Ankündigung von Nicolas Sarkozy, die Eröffnungsfeier in Peking zu boykottieren, wurden gleich mal ein paar Supermärkte von Carrefour gestürmt und zum Boykott französischer Produkte aufgerufen.
Morgen kommt der Dalai Lama also wieder nach Deutschland und Frau Merkel wäre da in Erklärungsnot gegenüber der einen oder anderen Seite gekommen, hätte sie ihn empfangen (oder eben nicht). Aber wie passend, wenn man eine gute Ausrede hat. So eine lang geplante Lateinamerika-Reise ist da natürlich ideal. Man ist aus der Bredouille und schiebt den schwarzen Peter einfach weiter. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier empfängt den Dalai Lama nun seinerseits auch nicht und muss dafür gleich aus der zweiten und dritten Reihe der CDU Kritik einstecken. Nun kann ich mir aber kaum vorstellen, dass sich Chefdiplomat Steinmeier nicht mit der Kanzlerin abgesprochen hat. Die Entscheidung, dass diesmal kein hochrangiger Politiker den Dalai Lama empfängt, dürfte schon einvernehmlich getroffen worden sein.
So treffen wohl nur ein paar unbedeutende Politiker den geistigen Führer Tibets und Frau Merkel braucht sich weder bei der deutschen Opposition, noch bei den Chinesen zu rechtfertigen. Der Dalai Lama ist trotzdem dick in unserer Presse vertreten und alles bleibt wohl wie zuvor: Die Kanzlerin hebt ab und zu alibimäßig den Zeigefinger in Richtung China um ihn dann gleich wieder hinter dem Rücken zu verstecken. Sie sitzt aus und freut sich insgeheim nur, dass die Wirtschaftsbeziehungen brummen.
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Mai 08, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Wirtschaft
Fast alle großen deutschen Sport- und Bekleidungshersteller (Trigema mit dem charismatischen Geschäftsführer Wolfgang Grupp bildet hier wohl die Ausnahme) produzieren eine Großteil ihrer Waren in China. Am Bekanntesten ist wohl die Firma adidas aus Herzogenaurach, die heute ihre Hauptversammlung in der Stadthalle Fürth abhält. Um die eintreffenden Aktionäre an ihre moralische Verantwortung erinnern, ruft attac Nürnberg heute ab 9:30 Uhr zu einer Demonstration vor dem Eingang der Halle auf.
Wie wichtig es ist, ein Bewußtsein in der Öffentlichkeit für die Verstrickungen der deutschen Wirtschaft in Lohndumping und Ausbeutung zu schaffen, zeigen auch gerade die Aussagen von adidas-Chef Herbert Hainer. Laut ihm will adidas bis 2010 in der Volksrepublik über eine Milliarde Euro umsetzen. Gleichzeitig wies er aber jede Forderung zurück, sich zu Menschenrechtsfragen in China äußern zu müssen.
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Mai 05, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Olympische Spiele

Politischer Protest ist den Sportlern bei Olympia verboten. Marc Strotmann, der Kreativchef einer Münchner Werbeagentur, kam nun auf die Idee, wie die Sportler trotzdem ihre Solidarität zeigen können, ohne Represalien durch das IOC befürchten zu müssen. Und so einfach geht es:
Einfach beide Hände hoch halten. Daumen der rechten Hand einklappen. Das steht für die vier Buchstaben FREE. Die fünf Finger der anderen Hand stehen für TIBET.
Mehr Infos bei 9fingersfortibet.com.
Nachtrag: Marc Strotmann hat die Domain aufgegeben. Sie wurde von einem Domaingrabber übernommen.
Bei Jochen Gottwald gibt es dazu übrigens die passenden Shirts aus fairer und biologischer Produktion. 50% des Reinerlöses pro Shirt gehen an die TIBETER FAMILIEN HILFE.
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Mai 05, 2008
Von: Dieter Petereit
Kategorie: Medien
Schon der Header ist Unsinn. ““Kinder-Sars” breitet sich aus – schon 24 Todesfälle“. Erst im Verlaufe des Artikels räumt SpOn unterschwellig ein, dass es sich bei HFMD (Hand-Foot-Mouth-Disease) nicht um eine Unterart oder auch nur um ein entfernt verwandtes Virus der Lungenkrankheit Sars handelt. Es gibt absolut keinen sachlichen, schon gar nicht medizinischen Grund, HFMD mit Sars in Verbindung zu bringen.
SpOn aber legt noch einen drauf: “Chinas Behörden warnen vor einer neuen Epidemie, die sich ähnlich schnell und tödlich ausbreiten könnte wie einst die Atemwegserkrankung Sars.” Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Vielmehr ist HFMD eine weltweit verbreitet auftretende Virusinfektion, die in den allermeisten Fällen völlig komplikationslos verläuft. In der Regel ist der Spuk nach drei Tagen ohne Medikation wieder vorbei. In schweren Fällen werden Fiebersenker gegeben.
Noch einmal völlig falsch dann diese Aussage: “Die durch den bis dato unbekannten Coronavirus ausgelöste Krankheit der Atemwege hatte sich 2003 von Guangdong aus verbreitet und weltweit 774 Menschen das Leben gekostet.” Richtig ist vielmehr, dass Fälle von HFMD, die durch den E-71 ausgelöst wurden, weltweit seit 1969 auftreten. Unter den betroffenen Ländern waren die USA, Europa, Brasilien, Malaysia, Taiwan, die Malediven, Australien und Indien. Seit 2003 sind nicht etwa über 700 Menschen ums Leben gekommen, sondern runde 30. Der schwerste Ausbruch des Enterovirus 71 bislang wurde 1998 in Taiwan mit geschätzten 1,5 Millionen Infizierten und 78 Toten verzeichnet. Ein Jahr zuvor starben in Malaysia 34 Kinder an HFMD bzw. den sich daraus entwickelnden Komplikationen.
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Mai 03, 2008
Von: Dieter Petereit
Kategorie: Medien
“Geheime Basis für Atom-U-Boote entdeckt” schreibt SpOn mit Datum 2. Mai 2008. Vermittels Bildmaterial von DigitalGlobe visualisiert der Spiegel ein Szenario der atomaren Bedrohung asiatischer Nachbarstaaten durch China. In einem “Areal wie aus einem James-Bond-Film”, was auch immer das heißen mag, ist mutmaßlich angeblich eine unterirdische Basis für bis zu 20 chinesische Atom-U-Boote entstanden.
Mag sein, dass es tatsächlich so ist. Mag sein, dass China an dieser Stelle seine U-Boot-Flotte zusammenziehen will. Mag sein. Neu jedoch und das würde ich eigentlich von einer Nachricht des 2. Mai 2008 erwarten, ist die Information nicht. Schon seit Jahren geistern Spekulationen über vermeintliche U-Boot-Basen Chinas durchs WWW. Die Bilder liefert stets DigitalGlobe.
Darüber kann man hier, hier und hier näheres erfahren.
Übrigens: Erinnert sich noch wer an die vermeintlichen Beweisbilder für Massenvernichtungswaffen im Irak? Wollt Ihr mal raten, wer die Fotos geliefert hat? Nee? Ich sag’s Euch: DigitalGlobe.
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Mai 01, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Medien
Gestern durfte ich eine Stunde die Fragen in der Blogsprechstunde beantworten. Ein Teil der Fragen wurde bereits im Vorfeld gestellt und so konnte ich mich ein wenig vorbereiten. Der Großteil kam aber live rein und man kommt ganz schön ins Schwitzen, wenn man halbwegs flotte und vernünftige Antworten schreiben möchte. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und vielleicht ergibt sich ja mal wieder etwas in der Art. Zum Nachlesen gibt es das Ganze im Chattranskript.
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April 27, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Medien, Wirtschaft
Ullrich Fichtner ist Reporter und hat seinen Dienstsitz in Paris. Für Spiegel Online berichtet er in der Rubrik Fichtners Tellergericht, was sich in Sachen Esskultur in Frankreich und dem Rest der Welt so tut. Der französische Fernsehsender M6 ist nach Fichtners Beschreibung eine Art Mischung aus RTL2 und Tele 5. Gestern kam aber wohl eine bemerkenswerte Reportage über die Wege, die Brokkoli, Karotten oder Tomaten nehmen, bis sie als Tiefkühlkost in den Supermärkten und in unseren Kochtöpfen landen.
Wie verlogen! Sich in Sachen China und Menschenrechte in die Brust werfen, aber klammheimlich von der Billigarbeit dort profitieren – die Chinesen schnippeln immerhin unser Tiefkühlgemüse.
Bleibt zu hoffen, dass diese Reportage auch mal bei einem deutschen Sender zu sehen sein wird. Bis dahin empfehle ich Fichtners Beitrag bei Spiegel Online.
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April 25, 2008
Von: Torsten
Kategorie: Tibet
Nachdem zwischen der Exilregierung Tibets und China aufgrund der Unruhen in Tibet zuletzt Funkstille geherrscht hat, berichten heute offizielle Quellen, das China grundsätzlich wieder bereit ist, mit Vertretern des Dalai Lama zu sprechen. Ein kleiner Anfang zur Beilegung des Konfliktes. Aber hier sollte man keinesfalls zu optimistisch sein, machen die Chinesen doch den Dalai Lama direkt für den Ausbruch der Unruhen in Tibet verantwortlich. Wie effektiv Gespräche in einem derartigen Klima sein werden, kann sich jeder selbst vorstellen.
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April 24, 2008
Von: StoiBär
Kategorie: Allgemein, Medien
Nächste Woche Mittwoch von 19:00 – 20:00 Uhr bin ich zu Gast bei politik-digital.de*. In der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten, werde ich eine Stunde lang versuchen, den Fragen der Besucher Rede und Antwort zu stehen.
Werden die Olympischen Spiele in Peking wie geplant ablaufen? Wie soll sich der Westen gegenüber China verhalten? Ist die westliche Berichterstattung über China und Tibet zu einseitig?
*politik-digital.de ist eine Informations- und Kommunikationsplattform zum Thema “Internet und Politik”. Sie wird allein vom Verein pol-di.net betrieben, der die Unabhängigkeit gewährleistet.
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April 22, 2008
Von: China Watchblog
Kategorie: Menschenrechte, Wirtschaft
Ein Gastbeitrag von Jochen Gottwald
Während der Proteste der letzten Wochen gegen China habe ich eine zentrale Frage schmerzlich vermisst: „Wie schafft es die chinesische Führung, die eigene Bevölkerung ruhig zu halten?“ Das im Westen gern als Wirtschaftswunderland verschriene China wird noch immer als Januskopf wahrgenommen. Auf der einen Seite die florierende und boomende Wirtschaft, auf der anderen Seite das tödlich totalitäre Regime. Hätte es nach Francis Fukuyamas wirtschaftsliberaler Theorie vom Ende der Geschichte nicht schon längst verschwinden müssen? „Zunehmender Wohlstand gleich zunehmende Partizipation“, das Credo des politisch motivierten Wirtschaftsliberalismus… bei China scheint es in brutalst möglicher Weise versagt zu haben.
Versetzen wir uns zurück in eine der heißesten Phasen des Kalten Krieges, den Beginn der 80er Jahre. China, das politisch längst mit der Sowjetunion gebrochen hatte, war zu diesem Zeitpunkt ein politischer Riese und ein wirtschaftlicher Zwerg. Mit ebenso brachialer Gewalt, wie Mao zuvor das Land in der Kulturrevolution an den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Abgrund geführt hatte, verordnete Deng dem Land nun die staatlich gelenkte Wirtschaftsliberalisierung. Wirtschaftliche Kollektivierung wurde aufgehoben, Preise wurden freigesetzt, Reichtum wurde „in“. Der Anteil der chinesischen Bevölkerung, der unter dem Existenzminumum lebt, wurde von ca. 50% im Jahr 1980 auf ca.10% im Jahr 2000 gesenkt. So zumindest die offiziellen Zahlen, mit denen sich unsere Global Player gerne brüsten, sobald Kritik an ihren Billigproduktionsstandorten laut wird.
Lies den Rest des Eintrages →
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