Macht Olympia-Sponsoring noch Sinn?
Viele führende Wirtschaftsunternehmen stecken viel Geld in das Sponsoring der Olympischen Spiele. Teilweise sind es Sportartikelhersteller, teilweise Firmen, die viel Umsatz im chinesischen Markt machen. Dazu dann noch global agierende Firmen wie McDonalds oder CocaCola, die bei jeder Großveranstaltung dabei sind. Aber auch in Deutschland schmückt sich so manches Produkt zu gerne mit den Olympischen Ringen. Über eine Millarde Dollar wird die Summe der Sponsorengelder geschätzt, die an das Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in Peking fliesst. Ein Boykott der Spiele wäre für alle diese Firmen ein GAU.
Mittlerweile dürfte sich aber für manche Firma langsam die Frage stellen, ob man mit einem Engagement bei Olympia nicht das Gegenteil von dem erreicht, was man ursprünglich wollte. Ich erinnere mich mal nur an die Dopingskandale im Radsport zurück. Wie schnell kam da eine Telekom, der Uhrenhersteller Festina oder der IT-Dienstleister CSC in Verruf. Sicherlich kann es sich kein Großkonzern leisten, von heute auf morgen seine Koffer in China zu packen. Zu stark sind die wirtschaftlichen Verflechtungen, zu bedeutend der Umsatz. Trotzdem werden auch sie immer mehr vom schlechten Image der Chinesen abbekommen. Und wenn noch mehr Nachrichten über Gewalt und Staatsterror nach Europa dringen, wird man sich auch bei den Olympiasponsoren überlegen müssen, ob man damit in Verbindung gebracht werden möchte.

März 27th, 2008 at 19:56
es muß mal einer anfangen, sich zu trauen, laut Farbe zu bekennen. Vorausgesetzt, die Sache ist einem nicht wuschtegal…
März 28th, 2008 at 09:38
Diese Frage stellt sich so nicht mehr, weil Olympia Teil des Geschäfts geworden ist, durch das diese genannten Firmen viel Geld verdienen. Besonders natürlich durch die krossmediale Vermarktung. Der TV-Konzern NBC bezahlt schlappe drei Milliarden US-Dollar für die Übertragungsrechte an das IOC, was bedeutet, dass die sich ihr Geld von der werbetreibenden Wirtschaft zurückholen werden durch mondpreidige Spots. Und wenn dann noch ein Produkt die olympischen Ringe auf dem eigenen Logo tragen darf, sind das knallharte wirtschaftliche Zwänge. Von Sponsoring ist da also gar nicht mehr die Rede. Hier produziert sich ein multimiliardenschwerer Olympia-Betrieb, den die Verletzung von Menschenrechten kaum stoppen wird. Man will schließlich Geld verdienen.
1980 zu den Boykottspielen von Moskau war das noch anders. Bis damals war ein gewisser irischer Lord Killanin Chef eine elitären Gentleman-Klubs, der Sportler der Ehre wegen antreten ließ und nur nachgeordnet wegen Geld. Sein Nachfolger, der in Moskau installierte Franko-Faschist Juan Antonio Samaranch, beschleunigte zusammen mit Adidas und dessen Chef Horst Dassler die Vermarktung, was erst den Prozess in Gang setzte, aus dem das heutige milliardenschwere Geschäft geworden ist. China, das IOC, die Olympia-Firmen werden das Fest veranstalten, es ist ihres, sie bestimmen die Musik. Boykottieren wird das in unserer Welt niemand, weil es ja in Deutschland auch genug Geld zu verdienen gibt.
So, wie das 28 afrikanische Staaten 1976 zu den Spielen in Montreal veransteltet haben, wird das eine Ausnahme bleiben. Sie führten tatsächliche politische Argumente auf. Die Schwarz-Afrikaner verlangten den Ausschluss Neuseelands, weil die «Kiwis» im Frühjahr mit einem Profi-Team eine Rugby-Tour durch das vom IOC ausgeschlossene Apartheid-Südafrika (von 1964 bis 1988) unternahmen. Das IOC widerstand dem Druck. 28 afrikanische Teams reisten ab.
Jetzt die Frage: Wer hat damals verloren? Sicher das IOC, nur wahrgenommen wurde das anders. Und kann sich heute noch jemand daran erinnern, dass 1976 auch Boykott-Spiele waren? Wohl kaum, ist meine These.
März 28th, 2008 at 11:40
Wie unangenehm das dem VW-Konzern und seinem neuen Aushängeschild Felix Magath (Der die Fackel bereits tragen durfte) bereits jetzt ist, zeigt der Beitrag des NDR-Magazins ZAPP http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,OID4664478_VID466507...
März 28th, 2008 at 13:45
Interessantes Blog.
Gut wäre auch, wenn man mal Zugang zu den Daten aus den vielen Spionage- äh. Beobachtungssatelliten hätte. Ist ja den “Betreibern” durchaus auch im Detail bekannt, was in Tibet grad abläuft.
Uninteressant für die Sponsoren wird es definitiv nicht. Sie kuschen brav und werden dabei bleiben, weil für jeden von ihnen der chinesische Markt zu attraktiv ist. Ein Rückzug wäre meiner Meinung nach das Ende der Bemühungen, im chinesischen Markt Fuß fassen zu dürfen. Es geht ums Geldverdienen. Darin liegt der Fokus.
März 28th, 2008 at 13:55
Ich werde versuchen, diese Marken zu umgehen, soweit möglich. Könnt ihr eine Liste veröffentlichen mit Firmen, die man nicht unterstützen sollte?
März 30th, 2008 at 01:22
Lesen hier bitte:
http://acropolisreview.com/2008/03/china-hillary-clinton-bar...
April 11th, 2008 at 08:49
Gerade mal 7 Jahre nachdem Volkswagen die letzten Zwangsarbeiter für ihre Arbeit während der NS-Zeit in ihrem Unternehmen entschädigt hat, packtiert man mit dem nächsten Terror-Regime.
Hat man bei Volkswagen denn wirklich nichts aus der Geschichte gelernt ?
Oder hat man vielleicht wieder mal “von allem nichts gewusst” !?
Auch das Polit-Magazin “Extra 3″ macht sich zu diesem Thema so seine Gedanken….
http://de.youtube.com/watch?v=ck6TIkRdonk