Die Republik China aka Taiwan
Dieser Tage finden nach 13-Jähriger Pause wieder Gespräche zwischen ranghohen Vertretern der Volksrepublik China und Taiwans statt. Nach Angaben der chinesischen Staatsführung soll es sich um das ranghöchste Treffen seit 60 Jahren, also im Grunde seit der Trennung der Republiken handeln. Die letzte Annäherung war 1995 von seiten der Volksrepublik gestoppt worden, als der damalige taiwanesische Präsident einen Staatsbesuch in den USA absolvierte. China betrachtete das als Schritt in eine beabsichtigte staatliche Unabhängigkeit Taiwans.
Nach Auffassung der Volksrepublik China ist Taiwan Bestandteil Festlandchinas und quasi illegal autonom. Dabei wurde Taiwan nie durch die Volksrepublik China kontrolliert. Nach Auffassung Taiwans, das man eigentlich korrekt als Republik China bezeichnen muss, ist Festlandchina integraler Bestandteil der Republik China. Verwirrend, oder?
Dabei ist die Sache im Grunde recht einfach. Als Ende der Vierziger des vergangenen Jahrhunderts absehbar wurde, dass die regierenden Kuomintang den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Mao verlieren würden, zogen sie sich nach Taiwan zurück, erkannten aber die Machtübernahme durch Mao und seine KP nicht als legitim an, sondern betrachteten sich weiterhin als einzige souveräne Vertretung Chinas. Bis in die Neunziger hinein, machte die Republik China Territorilaansprüche auf Festlandchina geltend. Erst im Zuge der Demokratisierung Taiwans wurde dieser Anspruch jedenfalls nicht mehr hörbar, sondern beschränkte sich auf das Territorium Taiwans. Die Volksrepublik China hingegen steht weiterhin auf den Standpunkt, Taiwan sei eine “abtrünnige Provinz”, obschon sie niemals unter Kontrolle der chinesischen Staatsregierung stand.
Soviel in Kürze zu diesem Thema. Mag sein, dass ich hier den einen oder anderen gut Informierten gelangweilt habe. Sicherlich weiß aber nicht jeder um dieses Dilemma. In den Medien wird schließlich stets nur von der “abtrünnigen Provinz”, sowie von “Abspaltung” gesprochen und nicht differenziert, dass es auch eine andere durchaus plausible Sichtweise auf die Problematik gibt.

Mai 29th, 2008 at 19:00
[...] Denn die wissen das mit Sicherheit nicht, die Zeitungsleser in Westeuropa. Drüben im China-Watchblog, mal rübersurfen. [...]
Mai 30th, 2008 at 03:20
Böse, böse Chinesen. Sollen sie endlich akzeptieren, dass der demokratische Westen andere freie Demokratien unterstützt und 100% hinter Taiwan steht!
“Deutschland erkennt Taiwan nicht als selbständigen Staat an und unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Es bestehen keine völkerrechtlichen Abkommen. Die Beziehungen konzentrieren sich auf die Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.”
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen...
Soviel zum Thema. Der Westen hat Taiwan im Stich gelassen, seit 1971 um genau zu sein. Bis auf ein paar teuer gekaufte Bananenrepubliken, will keiner etwas mit Taiwan zu tun haben, ausser wenn man dran verdienen kann. Also, wenn man im Glashaus sitzt…
Übrigens, auch die Taiwanesen sind sich nicht so recht sicher was sie wollen, die meisten (die dem Ex-Bürgermeister Taipeis, Hr. Ma, zum Presidenten geholfen haben), sind pro-China. Das passt vielen im Westen nicht, das ist aber so. Es ist aber auch so, dass vor allem im Süden die Menschen gegen eine Wiedervereinigung mit China sind, sie sind aber in der Minderheit. Jeder Geschäftsmann, mit dem du dich unterhälst hat firmen auf dem Festland, egal ob er im süden oder norden Taiwan lebt, er wird für eine Wiedervereinigung sein.
Du solltest dich also zuerst besser Informieren und die pinke Demokratie-Brille ablegen, bevor du irgendwas hier weiter zum Thema von dir gibst.
Taiwan wird zu China gehören, und es wird die beste Lösung für beide Länder sein.
Mai 30th, 2008 at 08:05
Ich verstehe Deinen Kommentar nicht. Was willst Du mir vorwerfen? Ich habe letztlich überhaupt keine Position bezogen, sondern bloß auf die Kontroverse hingewiesen.
Dennoch will ich gern ein paar Deiner verqueren Thesen aufgreifen. Du behauptest im Schröder Bastastil die meisten Taiwanesen wären für eine Wiedervereinigung. Abgesehen davon, dass es stets einfach ist, etwas zu behaupten, sehe ich das so nicht. Welches Interesse sollte das demokratische Taiwan daran haben, in einer menschenrechtsverletztenden, menschenverachtenden Parteidiktatur ohne Freiheitsrechte aufzugehen. Da kann Wiedervereinigung bestenfalls unter den Konditionen der Republik China gemeint sein.
Völlig hirnrissig dann Dein Schluss, dass taiwanesische Geschäftsleute Interesse an einer Wiedervereinigung (wieso überhaupt “Wieder”vereinigung?) haben könnten, weil sie Firmenstützpunkte, vornehmlich Produktionsstätten auf dem Festland hätten. Die haben sie dort, weil dort die Arbeit billig ist. Meinst Du Apple wäre für eine Staatenvereinigung der USA mit China, bloß weil sie dort ihre iPods herstellen? So blöd kann man doch eigentlich gar nicht ernsthaft argumentieren wollen.
Angesichts der Uhrzeit Deines Postings ein kostenloser Tipp meinerseits. Wenn Du´s nicht verträgst, lass den Alkohol aus dem Balg.
Mai 30th, 2008 at 08:57
Die Volksrepublik China und die Republik China praktizieren nach früheren Konfrontationen seit längerer Zeit eine Politik der gegenseitigen “Gesichtswahrung”. Das ist sehr vernünftig. Insofern ist es eine innerchinesische Angelegenheit, wie die beiden Staaten miteinander verkehren.
Was den Westen angeht, gibt es nur folgendes anzumerken. Der Westen hat erst die Flaggen vor den Botschaften auf Taiwan aufgezogen. Und sie dann mit eingekniffenem Schwanz wieder eingezogen. Die Diktaturfrage spielte scheinbar plötzlich eine untergeordnete Rolle. Zu einer Zeit, als die Volksrepublik sicherlich wesentlich restriktiver war, als heute. Das hat den Westen aber nicht interessiert. Das kennzeichnet sehr schön den westlichen Umgang beim Thema “Menschenrechte” und “Dikaturen”. Man sollte sich im Westen überlegen, wer damals mal wieder sein Gesicht verloren hat. Das schert aber im Westen niemanden so richtig. Weil man sich ja schon von Hause aus als “Gralshüter” von Demokratie und Freiheit begreift. Deshalb läßt es sich (in der Einbildung eines gottähnlichen Zustands) immer schön von oben herab diskutieren und “mahnen”….
Mai 31st, 2008 at 12:51
“Verwirrend, oder?” – ja, weil extrem grob vereinfacht …
Mai 31st, 2008 at 12:54
@Jens: So? Worin liegt denn die extrem grobe Vereinfachung?
Juni 25th, 2008 at 08:37
Tja….wo jetzt die voyeuristische Begeisterung an Verfehlungen und Unzulänglichkeiten Chinas so langsam abflaut – selbst die Medien verlieren das Interesse und der Nachschub an Bild-Artikeln über neue “Skandale” lässt nach – wie wäre es mit Berichten über die Schönheiten des Landes? (Ich meine damit nicht die Schönheiten, die man in Hainan am Strandt trifft!)
Fotos, Reiseberichte, etc….Das Land ist so wunderschön, aufregend und vielseitig, wenn ihr euer Blog auch für die positiven Seiten öffnet, könnte man problemlos wieder jeden Tag ein oder zwei Artikel schreiben. So wie früher.
Juni 22nd, 2009 at 11:39
Also ich mach ja zur Zeit ein Referat über die UNO und die Meschenrechte und als ich das alles mitbekommen habe mit Taiwan alias Republik China und der Volksrepublik China hab ich auch nur den Kopf geschüttelt. Als dieser Übergang stattfand, hat die UNO den ständigen Sicherheitsratssitz der Republik China einfach auf die Volksrepublik übertragen und sich nen Sch*** um Taiwan geschert.
Da sieht man halt wieder, dass Menschenrechte und Demokratie nur schöne Vorsätze sind und schnell verblassen, wenn es um Wirtschaft und (militärische) Macht geht.
Juni 22nd, 2009 at 13:08
Danke für diesen qualitativ hochwertigen Kommentar, der einen wesentlichen Beitrag zur Debatte leistet.
Juni 22nd, 2009 at 13:11
“Übrigens, auch die Taiwanesen sind sich nicht so recht sicher was sie wollen, die meisten (die dem Ex-Bürgermeister Taipeis, Hr. Ma, zum Presidenten geholfen haben), sind pro-China. Das passt vielen im Westen nicht, das ist aber so.”
Und Du meinst, die schwanken von Wahl zu Wahl zwischen Pro/Contra Vereinigung?
Wäre es vielleicht möglich, daß auch in Taiwan noch andere Politikfelder eine Rolle spielen?
Januar 22nd, 2010 at 12:04
Ma Ying-Jeou hatte seinen Wahlkampf fast ausschließlich mit wirtschaftlichen Versprechungen bestritten. Gleichzeitig hatte er versichert, der Status Quo (zw. China u. Taiwan) werde nicht geändert. Nur so hatte er eine Chance gewählt zu werden, denn Umfragen zeigen seit Jahren, dass eine große Mehrheit der Taiwaner (> 60%) für eine Beibehaltung des Status Quo, also der de-facto-Unabhängigkeit sind.
Dass er nun mit weitreichenden wirtschaftlichen Abkommen mit der VR den Status Quo indirekt doch aufweicht, ist ein anderes Thema…