Die kritische Masse
Heute hat die Judo-Kämpferin Yvonne Bönisch erklärt, dass sie aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen wird. Sie folgt mit dieser Entscheidung der Degenfechterin Imke Duplitzer, die ihren Verzicht schon vor knapp zwei Wochen verkündet hat. Für die Sportler ist das wohl die vernünftigste Art des Protestes, denn niemand kann ihnen abverlangen, ihre sportliche Karriere aufs Spiel zu setzen. Gerade für die Athleten der “kleinen” Sportarten ist so eine Großveranstaltung enorm wichtig.
Die Frage ist nur, wer bemerkt so einen Protest? Bei den olympischen Sommerspielen 2004 waren 453 deutsche Sportler in Athen dabei. Wie viele davon bei der Eröffnungsfeier anwesend waren, konnte ich leider nicht recherchieren. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass immer eine größere Zahl der Athleten fehlt. Sei es, weil die Disziplin bereits am ersten Wettkampftag stattfindet oder weil der Athlet erst in der zweiten oder dritten Woche dran ist und noch gar nicht angereist ist. Wird so ein Boykott Einzelner bei der Eröffnungsfeier dann überhaupt wahr genommen? In Deutschland sicherlich, in China aber wohl kaum.
Wie hoch ist die kritische Masse? Wahrscheinlich würde es der chinesischen Öffentlichkeit nicht einmal auffallen, wenn die halbe Mannschaft fehlen würde. Ein wirkliches Zeichen könnte man also allenfalls setzen, wenn die komplette Mannschaft zusammen mit der deutschen Fahne im olympischen Dorf bleiben würde. Dafür habe ich allerdings wenig Hoffnung. DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach ist bekannterweise gleichzeitig Vizepräsident des IOC und als solcher wird er sich hüten, so etwas zu organisieren.

April 15th, 2008 at 14:37
War ich anfangs ein ziemlich starker Verfechter eines generellen Boykotts, so gewinnt der Gedanke, durch gezielte Protestaktionen während der Spiele auf die Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, mehr und mehr an Reiz. Auslöser hierfür ist der bisherige Verlauf des olympischen Fackellaufs. Wäre dieser einfach nur ausgefallen, wäre dies nach zwei Tage vergessen gewesen. Aber die permanenten Ereignisse rund um den Fackellauf haben ein Aufmerksamkeit erzeugt, die so nie zu erreichen gewesen wäre.
April 15th, 2008 at 15:29
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April 15th, 2008 at 15:40
Meiner Meinung nach wären Protestaktionen nebenbei auch eine gute Idee, allerdings würden sie wahrscheinlich von den Chinesen schnell niedergeschlagen werden.
April 15th, 2008 at 16:13
Habt ihr einen Beitrag gelöscht? Im Feed-Reeder wird mir noch der Beitrag “Boykott entzweit Deutsche Sportler” angezeigt…..
anyway: Ich bin ziemlich sicher, dass die Abwesenheit einiger Sportler den Chinesen sehr wohl auffallen und auch bitter aufstoßen würde. Chinesen sind was politische Etikette und Feinheiten angeht sehr feinfühlig. Besonders nach den heißen Diskussionen über einen Boykott, wird es in China wohl kaum einen Journalisten geben, der die anwesenden Sportler nicht zählen wird.
April 15th, 2008 at 16:13
Als Yudoka hat man es ja noch recht einfach. EInfach ein Slogan in Chinesischen Lettern auf den anzug gedruckt und schon ist der Protest perfek … auf deutsch oder englisch bringt ja wohl kaum was, dass würde wohl nie von den komentatoren übersetzt … generell fände ich einen Protestslogan des deutschen leichtatletikverbandes für angebracht. müssen ja nicht direkt die doch sehr direkten olympischen hndschellen sein
April 15th, 2008 at 16:29
@Livinginchina: Wir hatten zwei Beiträge zum gleichen Thema geschrieben. Davon ist einer jetzt raus und der wesentliche Inhalt in Kommentar 1 zu finden.
April 15th, 2008 at 19:31
die kritische masse dürfte ungefähr mit der vollzähligen abwesenheit aller europäischen mannschaften erreicht sein…
April 16th, 2008 at 15:09
Die Frage, ob und wer soetwas bemerkt ist vielleicht für den ein oder anderen Sportler egal. Er/Sie möchte ein Zeichen setzen, und sei es nur für sich selbst.