China-Watchblog

Eine Diktatur unter Beobachtung
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Artikel der Kategorie ‘Wirtschaft’

Die Gier nach Geld

September 24, 2008 Von: Katha Kategorie: Wirtschaft 6 Kommentare →

4 tote Babys, 53 000 erkrankte Kinder: Die Zahlen des jüngsten Skandals in China sind erschreckend. In Milchsammelstellen versetzte man die Milch mit der Chemikalie Melamin. So kann bei verdünnter Milch der Proteingehalt erhöht werden. Die ersten Fälle traten bereits im August auf, doch während den olympischen Spielen tat die Regierung alles um den Skandal unter Verschluss zu halten. Denn die Spiele sollte keine negativen Schlagzeilen stören.

Die Vorkommnisse in China zeigen eines ganz genau: Seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes unter Deng Xiaopeng vor rund 20 Jahren wütet ein grenzenloser Kapitalismus im Reich der Mitte. Die Gier nach Geld nimmt immer krassere Formen an: Imitate von allen westlichen Marken sind alltäglich, ja dominieren zum Teil sogar das Leben. Es gibt Autos, die haargenau wie Smarts aussehen, doch vorne befindet sich ein unbekanntes Emblem. Das Gleiche mit Schuhen, Handys oder industriellen Maschinen. So verdienen viele ihr Geld, westliche Firmen kostet es Milliarden.

Und vielen Menschen kostet es sogar das Leben: Vergiftetes Spielzeug, vergiftete Leukämiemedikamente, vergiftetes Milchpulver. Unternehmer mit krimineller Energie haben es in China leicht, ihre Waren an den Mann zu bringen. Sofern es Kontrollen gibt, können sie leicht mit ein paar Bündel rosaroter 100 Yuan-Scheine oder den richtigen Freunden an den richtigen Stellen in der kommunistischen Partei umgangen werden. Dieses “Vitamin B” wäre im Milchpulver besser aufgehoben. Natürlich kann ich und sicherlich auch ihr die Millionen verstehen, deren Lebensverhältnisse sich in den letzten sieben bis zehn Jahren verbessert haben. Sie, die sich nun Fernseher, Roller und Handys leisten können. Doch von dieser Mittelschicht spreche ich nicht.

Ich klage die Entscheider an, die, die an den Hebeln sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft sitzen. Sie sind es, die ohne jegliche Moral agieren und skrupellos Todesopfer in Kauf nehmen.

Abwandernde Firmen

August 22, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Wirtschaft 5 Kommentare →

Kaum eine größere Firma, die derzeit nicht auf den chinesischen Markt drängt. Alle wollen sie am Kuchen teilhaben und den größtmöglichen Gewinn machen. Die Kehrseite der Medaillie zeigt Rudolf Weiler auf. Der Geschäftsführer der Digisound-Electronic GmbH aus Norderstedt war einer der ersten, der in China investiert hat. In einem Interview mit T-Online erklärt er, warum er sein Engagement in China beendet und warum er deutschen Unternehmen zur Vorsicht rät.

Wir werden von vorne bis hinten kopiert. Es ist neben unserer gemeinsamen Fabrikation eine Art parallele Fertigungshalle entstanden. Dort werden tatsächlich alle Produktionsanlagen kopiert und die Arbeitsabläufe nachgeahmt. Dabei werden sämtliche Verträge gebrochen, die überhaupt zu brechen sind. Schlimm daran ist, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die Chinesen werden immer radikaler, wenn es darum geht, ihre Chancen zu nutzen.

[...]

Wichtig ist außerdem ein Konzept, mit dem man spätestens nach drei Jahren die Investitionen wieder raus hat und das in den folgenden zwei Jahren gute Gewinne beschert. Spätestens dann wird der chinesische Partner versuchen, Sie mit den eigenen Konstruktionen vom Markt zu verdrängen. [...] Das hat mit geltenden Steuervergünstigungen zu tun. Nach fünf Jahren sind alle Fristen abgelaufen und die chinesische Seite ist nicht mehr auf den deutschen Partner angewiesen. Das ist genügend Zeit, um das nötige Wissen für Kopien zu sammeln. Fünf Jahre – da können Sie die Uhr nach stellen.

Dicke Luft in Beijing

Juli 12, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein, Wirtschaft 6 Kommentare →

Ein Gastbeitrag von Henning Hünteler

Was als erstes auffällt, wenn man im Sommer aus dem Flugzeug in Beijing oder Shanghai steigt ist, dass chinesische Luft weiß ist. An den meisten Sommertagen sieht Beijing aus wie eine deutsche Stadt am frühen Herbstmorgen. Über der ganzen Stadt liegt ein weißer Schleier, der es nicht erlaubt weiter als 300 m zu sehen. Der Unterschied ist, dass die deutsche Herbstluft kalt und feucht ist, die chinesische warm und schwül. Kein Nebel liegt über der Stadt, sondern dichter, weißer Smog. Woher er kommt kann ich nicht sagen. Die Ursachen dürften vermutlich am fehlenden Wind im Sommer liegen, am enormen Stromverbrauch durch die vielen Klimaanlagen, Fabriken in und um die Stadt herum, den vielen Autos, der sorglosen Art mit Energie umzugehen. Diese Liste ließe sich wohl noch lange fortsetzen, aber eigentlich möchte ich mir nicht übermäßig Gedanken darüber machen, was ich da Tag für Tag einatme. Dabei ist der Smog gar nicht mal das schlimmste. Im Frühjahr bläst der Wind aus der nahe gelegenen Wüste Sand in die Stadt und die Luft färbt sich gelb. Knirschen in den Zähnen und eine feine Staubschicht auf der ganzen Stadt sind da wohl nur die harmloseren Auswirkungen.

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attac-Demo bei der adidas-Hauptversammlung

Mai 08, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Wirtschaft 1 Kommentar →

Fast alle großen deutschen Sport- und Bekleidungshersteller (Trigema mit dem charismatischen Geschäftsführer Wolfgang Grupp bildet hier wohl die Ausnahme) produzieren eine Großteil ihrer Waren in China. Am Bekanntesten ist wohl die Firma adidas aus Herzogenaurach, die heute ihre Hauptversammlung in der Stadthalle Fürth abhält. Um die eintreffenden Aktionäre an ihre moralische Verantwortung erinnern, ruft attac Nürnberg heute ab 9:30 Uhr zu einer Demonstration vor dem Eingang der Halle auf.

Wie wichtig es ist, ein Bewußtsein in der Öffentlichkeit für die Verstrickungen der deutschen Wirtschaft in Lohndumping und Ausbeutung zu schaffen, zeigen auch gerade die Aussagen von adidas-Chef Herbert Hainer. Laut ihm will adidas bis 2010 in der Volksrepublik über eine Milliarde Euro umsetzen. Gleichzeitig wies er aber jede Forderung zurück, sich zu Menschenrechtsfragen in China äußern zu müssen.

Brokkoli, Karotten und Tomaten

April 27, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Medien, Wirtschaft 5 Kommentare →

Ullrich Fichtner ist Reporter und hat seinen Dienstsitz in Paris. Für Spiegel Online berichtet er in der Rubrik Fichtners Tellergericht, was sich in Sachen Esskultur in Frankreich und dem Rest der Welt so tut. Der französische Fernsehsender M6 ist nach Fichtners Beschreibung eine Art Mischung aus RTL2 und Tele 5. Gestern kam aber wohl eine bemerkenswerte Reportage über die Wege, die Brokkoli, Karotten oder Tomaten nehmen, bis sie als Tiefkühlkost in den Supermärkten und in unseren Kochtöpfen landen.

Wie verlogen! Sich in Sachen China und Menschenrechte in die Brust werfen, aber klammheimlich von der Billigarbeit dort profitieren – die Chinesen schnippeln immerhin unser Tiefkühlgemüse.

Bleibt zu hoffen, dass diese Reportage auch mal bei einem deutschen Sender zu sehen sein wird. Bis dahin empfehle ich Fichtners Beitrag bei Spiegel Online.

Menschenrechtsverletzungen in China – Die Rolle multinationaler Konzerne

April 22, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Menschenrechte, Wirtschaft 14 Kommentare →

Ein Gastbeitrag von Jochen Gottwald

Während der Proteste der letzten Wochen gegen China habe ich eine zentrale Frage schmerzlich vermisst: „Wie schafft es die chinesische Führung, die eigene Bevölkerung ruhig zu halten?“ Das im Westen gern als Wirtschaftswunderland verschriene China wird noch immer als Januskopf wahrgenommen. Auf der einen Seite die florierende und boomende Wirtschaft, auf der anderen Seite das tödlich totalitäre Regime. Hätte es nach Francis Fukuyamas wirtschaftsliberaler Theorie vom Ende der Geschichte nicht schon längst verschwinden müssen? „Zunehmender Wohlstand gleich zunehmende Partizipation“, das Credo des politisch motivierten Wirtschaftsliberalismus… bei China scheint es in brutalst möglicher Weise versagt zu haben.

Versetzen wir uns zurück in eine der heißesten Phasen des Kalten Krieges, den Beginn der 80er Jahre. China, das politisch längst mit der Sowjetunion gebrochen hatte, war zu diesem Zeitpunkt ein politischer Riese und ein wirtschaftlicher Zwerg. Mit ebenso brachialer Gewalt, wie Mao zuvor das Land in der Kulturrevolution an den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Abgrund geführt hatte, verordnete Deng dem Land nun die staatlich gelenkte Wirtschaftsliberalisierung. Wirtschaftliche Kollektivierung wurde aufgehoben, Preise wurden freigesetzt, Reichtum wurde „in“. Der Anteil der chinesischen Bevölkerung, der unter dem Existenzminumum lebt, wurde von ca. 50% im Jahr 1980 auf ca.10% im Jahr 2000 gesenkt. So zumindest die offiziellen Zahlen, mit denen sich unsere Global Player gerne brüsten, sobald Kritik an ihren Billigproduktionsstandorten laut wird.

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Die Werkstation zeigt Flagge

April 13, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Tibet, Wirtschaft 2 Kommentare →

DIE WERKSTATION ist ein Anbieter für Kiosksysteme und Info-Terminals. Via Spreeblick habe ich auf der Startseite des Unternehmens folgendes Statement entdeckt:

Die Werkstation zeigt Flagge 

Mit brutaler Gewalt geht die chinesische Regierung gegen die Demonstranten in Tibet vor. Auch vor Frauen und Kindern macht das Militär keinen Halt. Wir haben daher beschlossen, keine in China hergestellten Produkte mehr einzusetzen – auch wenn dadurch Mehrkosten entstehen. Wir wissen wohl, dass das nur ein kleiner Beitrag ist – aber wir denken, dass dies wahrscheinlich die einzige Sprache ist, die die hohen Herren in China verstehen.

Mit der Firma hatte ich bereits geschäftlich zu tun und in den Produkten der Firma werden auch normale Standard-PCs und Displays verbaut. Wer schon jemals PCs assembliert hat und dafür Komponenten eingekauft hat, der kann einschätzen, dass es gar nicht so leicht ist, diese Maßnahme auch umzusetzten. Ein Großteil der Bauteile kommt mittlerweile aus China und bei der Bestellung im Großhandel ist das Herstellungsland kaum zu erfahren. Ein schwieriges Unterfangen also.

Nun könnte man das auch als Marketingaktion abtun, was ich persönlich in diesem Fall aber nicht glaube. Zwar wird sich das Unternehmen die nächsten Tage eines regen Medieninteresses erfreuen, doch da solche Kiosksysteme keine Produkte des täglichen Gebrauchs sind, dürfte das sicherlich nicht der Grund für die Entscheidung gewesen sein. Vielmehr zeigt es deutlich, dass es durchaus Firmen gibt, denen es nicht nur um den reinen Profit geht. Und vielleicht wird ja auch ein Stein ins Rollen gebracht, wenn sich noch mehr Firmen dieser Art des Protestes anschließen.

Macht Olympia-Sponsoring noch Sinn?

März 27, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele, Wirtschaft 7 Kommentare →

Viele führende Wirtschaftsunternehmen stecken viel Geld in das Sponsoring der Olympischen Spiele. Teilweise sind es Sportartikelhersteller, teilweise Firmen, die viel Umsatz im chinesischen Markt machen. Dazu dann noch global agierende Firmen wie McDonalds oder CocaCola, die bei jeder Großveranstaltung dabei sind. Aber auch in Deutschland schmückt sich so manches Produkt zu gerne mit den Olympischen Ringen. Über eine Millarde Dollar wird die Summe der Sponsorengelder geschätzt, die an das Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in Peking fliesst. Ein Boykott der Spiele wäre für alle diese Firmen ein GAU.

Mittlerweile dürfte sich aber für manche Firma langsam die Frage stellen, ob man mit einem Engagement bei Olympia nicht das Gegenteil von dem erreicht, was man ursprünglich wollte. Ich erinnere mich mal nur an die Dopingskandale im Radsport zurück. Wie schnell kam da eine Telekom, der Uhrenhersteller Festina oder der IT-Dienstleister CSC in Verruf. Sicherlich kann es sich kein Großkonzern leisten, von heute auf morgen seine Koffer in China zu packen. Zu stark sind die wirtschaftlichen Verflechtungen, zu bedeutend der Umsatz. Trotzdem werden auch sie immer mehr vom schlechten Image der Chinesen abbekommen. Und wenn noch mehr Nachrichten über Gewalt und Staatsterror nach Europa dringen, wird man sich auch bei den Olympiasponsoren überlegen müssen, ob man damit in Verbindung gebracht werden möchte.