Bedenklich, aber bedenkenswert
Es ist sicherlich nicht übertrieben, zu konstatieren, dass in den westlichen Staaten die Diskussion um einen generellen Olympia-Boykott an Lautstärke und Vehemenz gewinnt. Auch ich habe mich in den letzten Wochen teils recht eindeutig in dieser Frage positioniert.
Vielleicht sollte man aber doch das Augenmerk, abseits jeglicher moralisch-ethischer Grundsätzlichkeit, auf die tatsächlichen und potenziellen Opfer des Pekinger Regimes richten. Soeben berichten die internationalen Medien darüber, dass es einer Gruppe von bis zu 50 tibetischen Mönchen erneut gelungen ist, Kontakt zu einer Journalistendelegation aufzunehmen, die sich auf einer von der chinesischen Regierung organisierten Reise befindet. Zum zweiten Male innerhalb von zwei Wochen gelingt es also betroffenen Tibetern ihr Anliegen im Land an die noch spärlich vertretene internationale Presse zu transportieren.
Käme es nun zu einem Boykott der Spiele, und wenn auch nur in der bereits diskutierten Form, dass keine Berichterstattung erfolgen würde, mithin also auch kaum ausländische Journalisten ins Land reisten, wären diese Kontakte schlichtweg nicht mehr möglich. Im anderen Falle würden Tausende von Journalisten aus dem Ausland einreisen und hätten die bisher nie dagewesene Möglichkeit, statt sich allein auf die Sportberichterstattung zu konzentrieren, die Zustände im Land zu dokumentieren, den Betroffenen eine Stimme zu geben.
Durch die Vielzahl der Berichterstatter könnte sich eine Lautstärke entwickeln, die es im besten Falle auf Dauer unmöglich machte, das chinesische Menschenrechtsdebakel zu verschweigen. Könnte das nicht die chinesische Ausführung von “Wir sind das Volk!” werden?

April 9th, 2008 at 17:25
[...] sachte bedacht und lesbar gemacht. [...]
April 9th, 2008 at 22:52
Hier mal ein Hinweis über die Diskussion unter Athleten und Aktionen von ihnen:
http://www.netzathleten.de/pub/Fuer_Olympia_mit_Menschenrech...
http://www.netzathleten.de/team/TeamBlog.jsp?public_id=netza...
April 20th, 2008 at 13:00
[...] Öffentlichkeit versagt. Meiner Meinung nach wäre das eine ganz passable Lösung, aber andere meinen, dass ohne die Presse, die zu den Spielen nach China kommt, den Tibetern und allen anderen [...]
Mai 28th, 2008 at 11:01
Zur angeblich möglichen chinesischen Ausführung “Wir sind das Volk” hier ein Artikel des China-Experten Frank Sieren (der dort auch lebt!)…
http://www.freitag.de/2008/14/08140301.php
Ich kann mich seiner Sicht wirklich vollinhaltlich anschließen…