Die Gier nach Geld
4 tote Babys, 53 000 erkrankte Kinder: Die Zahlen des jüngsten Skandals in China sind erschreckend. In Milchsammelstellen versetzte man die Milch mit der Chemikalie Melamin. So kann bei verdünnter Milch der Proteingehalt erhöht werden. Die ersten Fälle traten bereits im August auf, doch während den olympischen Spielen tat die Regierung alles um den Skandal unter Verschluss zu halten. Denn die Spiele sollte keine negativen Schlagzeilen stören.
Die Vorkommnisse in China zeigen eines ganz genau: Seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes unter Deng Xiaopeng vor rund 20 Jahren wütet ein grenzenloser Kapitalismus im Reich der Mitte. Die Gier nach Geld nimmt immer krassere Formen an: Imitate von allen westlichen Marken sind alltäglich, ja dominieren zum Teil sogar das Leben. Es gibt Autos, die haargenau wie Smarts aussehen, doch vorne befindet sich ein unbekanntes Emblem. Das Gleiche mit Schuhen, Handys oder industriellen Maschinen. So verdienen viele ihr Geld, westliche Firmen kostet es Milliarden.
Und vielen Menschen kostet es sogar das Leben: Vergiftetes Spielzeug, vergiftete Leukämiemedikamente, vergiftetes Milchpulver. Unternehmer mit krimineller Energie haben es in China leicht, ihre Waren an den Mann zu bringen. Sofern es Kontrollen gibt, können sie leicht mit ein paar Bündel rosaroter 100 Yuan-Scheine oder den richtigen Freunden an den richtigen Stellen in der kommunistischen Partei umgangen werden. Dieses “Vitamin B” wäre im Milchpulver besser aufgehoben. Natürlich kann ich und sicherlich auch ihr die Millionen verstehen, deren Lebensverhältnisse sich in den letzten sieben bis zehn Jahren verbessert haben. Sie, die sich nun Fernseher, Roller und Handys leisten können. Doch von dieser Mittelschicht spreche ich nicht.
Ich klage die Entscheider an, die, die an den Hebeln sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft sitzen. Sie sind es, die ohne jegliche Moral agieren und skrupellos Todesopfer in Kauf nehmen.
