Heute werden die Olympischen Spiele also mit großem Tamtam bei der Eröffnungsfeier beginnen. Die chinesische Regierung wird eine gigantische Eröffnungsfeier präsentieren und ein paar Wochen versuchen, mit dem Glanz der Spiele über die vielen Probleme hinwegzutäuschen. Das IOC wird sich in dieser Zeit auf das konzentrieren, was ihr Hauptziel ist: Geld verdienen, wo es nur geht. Dazwischen dann die Sportler, die als Marionetten tanzen werden. Für viele Athleten sind die Spiele die einmalige Chance, ihrer Karriere die entscheidende Wende zu bescheren. Bei einem erfolgreichen Abschneiden winken lukrative Sponsorenverträge, da ist Kritik an China nicht unbedingt angebracht. Zwar sind auch die großen Sportartikelhersteller vordergründig an der Einhaltung der Menschenrechte interessiert, in Wirklichkeit lassen aber auch sie unter teilweise unmenschlichen Bedingungen für Hungerlöhne produzieren und brauchen gute Wirtschaftsbeziehungen mit China. Da wird es sich eine Firma A., N. oder P. gut überlegen, ob man Sportler unterstützt, die offen den eigenen Handelspartner kritisieren.
Waren es bei früheren Spielen immer Berichte über die Vorbereitungen der Sportler, kulturelle Besonderheiten des Landes oder das Leben der Bevölkerung, die die vorolympische Berichterstattung dominierten, so kam es mir diesmal vor als würde ich nur von Zensur und Protestaktionen hören. In fast jedem Fernsehbericht sah man irgendwann einen chinesischen Polizisten, der dem Kameramann sein Werkzeug nach unten drückte.
Achja, Sport wird es ja auch noch geben. Hatte man fast vergessen. Bei der diesjährigen Tour de France hat sich schon gezeigt, dass das breite Fernsehinteresse gewaltig nachgelassen hat. Die vielen Dopingfälle der letzten Jahre haben so manchen Zuschauer vertrieben. Gestern habe ich in einem TV-Bericht gesehen, dass es bereits 30 Dopingfälle bei qualifizierten Sportlern vor Olympia gab. Mehrere tausend Proben sollen die nächsten Wochen gemacht werden, die dann acht Jahren eingelagert, um später nochmals mit neuen Prüfverfahren ausgewertet werden zu können. Ich hoffe nur, man stellt sich schlauer an als seinerzeit bei Lance Armstrong. Von dem gibt es zwar sechs positive Proben, aber keine rechtliche Möglichkeit, ihm im Nachhinein zu sperren, bzw. die Titel abzuerkennen.
Derweil wird unter vorgehaltener Hand schon gemunkelt, die Chinesen hätten für Olympia eigene Dopingpräperate entwickelt, die nach den Spielen wieder verschwinden werden. Schließlich kann man für Mittel, die keiner kennt auch keine Tests entwickeln. Viele chinesische Spitzensportler sah man bei den vorolympischen Wettkämpfen auch nicht. Die bereiteten sich lieber in Trainingscamps gezielt auf das Topereignis vor. Ausländische Dopingkontrolleure durften da teilweise nicht einmal auf das Trainingsgelände.
Und so freue ich mich dann lieber über eine Dana Abdulrazak. Eine Frau aus dem Iran, die über 100 Meter startet. Dazu dann die Sportler aus Papua-Neuguinea, Burkina Faso oder Vanuatu, die zwar keinen Blumentopf gewinnen werden, aber die die Spiele zu dem machen, was mich überhaupt dazu bewegt, den Fernseher einzuschalten.
Und nein, ich lasse mich jetzt nicht über die Bloggerzensur des IOC, das Rumgeeiere unseres deutschen IOC-Vize oder die Internetzensur aus.