China-Watchblog

Eine Diktatur unter Beobachtung
Subscribe

Artikel der Kategorie August, 2008

Abwandernde Firmen

August 22, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Wirtschaft 5 Kommentare →

Kaum eine größere Firma, die derzeit nicht auf den chinesischen Markt drängt. Alle wollen sie am Kuchen teilhaben und den größtmöglichen Gewinn machen. Die Kehrseite der Medaillie zeigt Rudolf Weiler auf. Der Geschäftsführer der Digisound-Electronic GmbH aus Norderstedt war einer der ersten, der in China investiert hat. In einem Interview mit T-Online erklärt er, warum er sein Engagement in China beendet und warum er deutschen Unternehmen zur Vorsicht rät.

Wir werden von vorne bis hinten kopiert. Es ist neben unserer gemeinsamen Fabrikation eine Art parallele Fertigungshalle entstanden. Dort werden tatsächlich alle Produktionsanlagen kopiert und die Arbeitsabläufe nachgeahmt. Dabei werden sämtliche Verträge gebrochen, die überhaupt zu brechen sind. Schlimm daran ist, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die Chinesen werden immer radikaler, wenn es darum geht, ihre Chancen zu nutzen.

[...]

Wichtig ist außerdem ein Konzept, mit dem man spätestens nach drei Jahren die Investitionen wieder raus hat und das in den folgenden zwei Jahren gute Gewinne beschert. Spätestens dann wird der chinesische Partner versuchen, Sie mit den eigenen Konstruktionen vom Markt zu verdrängen. [...] Das hat mit geltenden Steuervergünstigungen zu tun. Nach fünf Jahren sind alle Fristen abgelaufen und die chinesische Seite ist nicht mehr auf den deutschen Partner angewiesen. Das ist genügend Zeit, um das nötige Wissen für Kopien zu sammeln. Fünf Jahre – da können Sie die Uhr nach stellen.

Olympia und die Zensur

August 15, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Medien, Olympische Spiele 4 Kommentare →

Bekannterweise gibt es immer wieder Protestaktionen, die dann recht schnell von der Polizei beendet werden. Natürlich wollen die Protestierenden möglichst viel öffentliche Wirkung erreichen, bevor sie verhaftet werden. Während aber fast alle Fernsehsender seit Beginn der Spiele dazu übergegangen sind, nur noch Sport zu übertragen, gibt es auch ein paar akkreditierte Journalisten, die sich für das Geschehen rund um die Sportstätten interessieren. Wie gefährlich es sein kann, wenn man nur die Proteste filmt, macht das nachfolgende Video deutlich. Darin berichtet John Ray lediglich von einer Free Tibet Aktion und wird, ehe er sich versieht, selbst verhaftet – trotz Akkreditierung. Schöne Spiele noch!

Danke an Thorsten für den Link.

Soldaten in Windeln

August 15, 2008 Von: Torsten Kategorie: Olympische Spiele Noch keine Kommentare →

Die Details zu den Eröffnungsfeiern werden immer bizarrer. Nach der Manipulation der TV-Aufnahmen und dem “Milli Vanili”-Effekt bei der Darbietung der “Ode ans Vaterland” durch die 7jährige Chinesin Lin Miaoke nun das nächste Highlight chinesischer Inszenierungskunst. Wie heute bei der ARD gesehen, mussten chinesische Soldaten 9! Stunden reglos in Kisten mit chinesischen Schriftzeichen ausharren, um diese dann wie von Zauberhand während der Eröffnung zu bewegen. Um das irgendwie auszuhalten, trugen die Soldaten Windeln, um ihre Notdurft irgendwie verrichten zu können.

Ohne Kommentar. Wie gut, das ich mir das nicht angesehen habe…

Zu häßlich für die Eröffnungsfeier

August 12, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele 9 Kommentare →

Mit ihrer «Ode ans Vaterland» hat die kleine Chinesin Lin Miaoke bei der Olympia-Eröffnungsfeier Millionen Landsleute und Fernsehzuschauer in aller Welt gerührt. Jetzt stellte sich heraus: Das sieben Jahre alte Mädchen bewegte beim Singen nur die Lippen. Die wirkliche Sängerin war den Organisatoren offenbar nicht hübsch genug.

via NZZ Online

Manipulierte TV-Aufnahmen der Eröffnungsfeier

August 10, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele 5 Kommentare →

Laut heise war ein Teil der TV-Aufnahmen von der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen in Peking nicht echt, sondern sind am Computer entstanden. Ein Angestellter der Video-Produktionsfirma hat wohl nicht dicht gehalten und so kam jetzt heraus, dass es sich um eine Computeranimationen handelte.

Der Sport ist doch nur Nebensache

August 08, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele Noch keine Kommentare →

Heute werden die Olympischen Spiele also mit großem Tamtam bei der Eröffnungsfeier beginnen. Die chinesische Regierung wird eine gigantische Eröffnungsfeier präsentieren und ein paar Wochen versuchen, mit dem Glanz der Spiele über die vielen Probleme hinwegzutäuschen. Das IOC wird sich in dieser Zeit auf das konzentrieren, was ihr Hauptziel ist: Geld verdienen, wo es nur geht. Dazwischen dann die Sportler, die als Marionetten tanzen werden. Für viele Athleten sind die Spiele die einmalige Chance, ihrer Karriere die entscheidende Wende zu bescheren. Bei einem erfolgreichen Abschneiden winken lukrative Sponsorenverträge, da ist Kritik an China nicht unbedingt angebracht. Zwar sind auch die großen Sportartikelhersteller vordergründig an der Einhaltung der Menschenrechte interessiert, in Wirklichkeit lassen aber auch sie unter teilweise unmenschlichen Bedingungen für Hungerlöhne produzieren und brauchen gute Wirtschaftsbeziehungen mit China. Da wird es sich eine Firma A., N. oder P. gut überlegen, ob man Sportler unterstützt, die offen den eigenen Handelspartner kritisieren.

Waren es bei früheren Spielen immer Berichte über die Vorbereitungen der Sportler, kulturelle Besonderheiten des Landes oder das Leben der Bevölkerung, die die vorolympische Berichterstattung dominierten, so kam es mir diesmal vor als würde ich nur von Zensur und Protestaktionen hören. In fast jedem Fernsehbericht sah man irgendwann einen chinesischen Polizisten, der dem Kameramann sein Werkzeug nach unten drückte.

Achja, Sport wird es ja auch noch geben. Hatte man fast vergessen. Bei der diesjährigen Tour de France hat sich schon gezeigt, dass das breite Fernsehinteresse gewaltig nachgelassen hat. Die vielen Dopingfälle der letzten Jahre haben so manchen Zuschauer vertrieben. Gestern habe ich in einem TV-Bericht gesehen, dass es bereits 30 Dopingfälle bei qualifizierten Sportlern vor Olympia gab. Mehrere tausend Proben sollen die nächsten Wochen gemacht werden, die dann acht Jahren eingelagert, um später nochmals mit neuen Prüfverfahren ausgewertet werden zu können. Ich hoffe nur, man stellt sich schlauer an als seinerzeit bei Lance Armstrong. Von dem gibt es zwar sechs positive Proben, aber keine rechtliche Möglichkeit, ihm im Nachhinein zu sperren, bzw. die Titel abzuerkennen. 

Derweil wird unter vorgehaltener Hand schon gemunkelt, die Chinesen hätten für Olympia eigene Dopingpräperate entwickelt, die nach den Spielen wieder verschwinden werden. Schließlich kann man für Mittel, die keiner kennt auch keine Tests entwickeln. Viele chinesische Spitzensportler sah man bei den vorolympischen Wettkämpfen auch nicht. Die bereiteten sich lieber in Trainingscamps gezielt auf das Topereignis vor. Ausländische Dopingkontrolleure durften da teilweise nicht einmal auf das Trainingsgelände.

Und so freue ich mich dann lieber über eine Dana Abdulrazak. Eine Frau aus dem Iran, die über 100 Meter startet. Dazu dann die Sportler aus Papua-Neuguinea, Burkina Faso oder Vanuatu, die zwar keinen Blumentopf gewinnen werden, aber die die Spiele zu dem machen, was mich überhaupt dazu bewegt, den Fernseher einzuschalten. 

Und nein, ich lasse mich jetzt nicht über die Bloggerzensur des IOC, das Rumgeeiere unseres deutschen IOC-Vize oder die Internetzensur aus.