China-Watchblog

Eine Diktatur unter Beobachtung
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Artikel der Kategorie Mai, 2008

Die Republik China aka Taiwan

Mai 29, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Allgemein 11 Kommentare →

Dieser Tage finden nach 13-Jähriger Pause wieder Gespräche zwischen ranghohen Vertretern der Volksrepublik China und Taiwans statt. Nach Angaben der chinesischen Staatsführung soll es sich um das ranghöchste Treffen seit 60 Jahren, also im Grunde seit der Trennung der Republiken handeln. Die letzte Annäherung war 1995 von seiten der Volksrepublik gestoppt worden, als der damalige taiwanesische Präsident einen Staatsbesuch in den USA absolvierte. China betrachtete das als Schritt in eine beabsichtigte  staatliche Unabhängigkeit Taiwans.

Nach Auffassung der Volksrepublik China ist Taiwan Bestandteil Festlandchinas und quasi illegal autonom. Dabei wurde Taiwan nie durch die Volksrepublik China kontrolliert. Nach Auffassung Taiwans, das man eigentlich korrekt als Republik China bezeichnen muss, ist Festlandchina integraler Bestandteil der Republik China. Verwirrend, oder?

Dabei ist die Sache im Grunde recht einfach. Als Ende der Vierziger des vergangenen Jahrhunderts absehbar wurde, dass die regierenden Kuomintang den Bürgerkrieg gegen die Kommunisten unter Mao verlieren würden, zogen sie sich nach Taiwan zurück, erkannten aber die Machtübernahme durch Mao und seine KP nicht als legitim an, sondern betrachteten sich weiterhin als einzige souveräne Vertretung Chinas. Bis in die Neunziger hinein, machte die Republik China Territorilaansprüche auf Festlandchina geltend. Erst im Zuge der Demokratisierung Taiwans wurde dieser Anspruch jedenfalls nicht mehr hörbar, sondern beschränkte sich auf das Territorium Taiwans. Die Volksrepublik China hingegen steht weiterhin auf den Standpunkt, Taiwan sei eine “abtrünnige Provinz”, obschon sie niemals unter Kontrolle der chinesischen Staatsregierung stand.

Soviel in Kürze zu diesem Thema. Mag sein, dass ich hier den einen oder anderen gut Informierten gelangweilt habe. Sicherlich weiß aber nicht jeder um dieses Dilemma. In den Medien wird schließlich stets nur von der “abtrünnigen Provinz”, sowie von “Abspaltung” gesprochen und nicht differenziert, dass es auch eine andere durchaus plausible Sichtweise auf die Problematik gibt.

Mieses Karma schuld an Erdbeben?

Mai 29, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Allgemein 2 Kommentare →

Die arme Sharon Stone. Da philosophiert sie offenherzig vor sich hin, ob es nicht möglicherweise eine Strafe “Gottes”, sie nannte es Karma, weil sie offenbar eher dem Buddhismus zugeneigt ist, ist, dass China von mehreren Erdbeben getroffen wurde. Und schon wird sie angegriffen und muss sich für ihre “unangemessenen Worte” entschuldigen.

Dabei ist die Meinung, dass eigenes Handeln zu unmittelbaren Folgen des Schicksals führen wird durchaus weit verbreitet. Schon unsere Eltern sagten doch früher gern “Iss Deinen Teller leer, sonst wird es schlechtes Wetter geben.” Sowas prägt nachhaltig. Oder auch “Kleine Sünden bestraft der Herrgott sofort.” Welcher Spross des Bürgertums hat das noch nie gehört?

Im konkreten Fall kommt noch hinzu, dass es offenbar tatsächlich in der bäuerlichen Landbevölkerung Chinas einen tief verwurzelten Aberglauben gibt, der besagt, dass der Himmel jedes Mal, wenn eine Dynastie ihr himmlisches Mandat verspielt hat, ein Zeichen sendet. Tatsächlich starb kurz nach dem Ende der Beben von Tangshan 1976 Mao Tse-Tung und beendete damit die Mao-Dynastie. Auch hierzulande werden besonders die evengelikalen Freikirchen nicht müde, zu betonen, dass Naturkatastrophen stets Strafen Gottes für – na ja, eben – Gottlosigkeit sind und fordern bei jedem Anlass entsprechend zur Hinwendung, zum Worship auf.

Insofern liegt Frau Stone mit ihrer etwas unbedachten Äußerung nicht etwa im Abseits, sondern mitten in der öffentlichen Meinung, auch wenn die intellektuellen Eliten sowas nicht gern hören und die chinesischen Machthaber es spätestens seit 1976 ums Verrecken nicht hören wollen. Schauen wir mal, was passiert…

Helmut Schmidt bei Sandra Maischberger

Mai 22, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Allgemein, Medien 11 Kommentare →

Aufgrund seiner zahlreichen Besuche im Land der Mitte gilt Helmut Schmidt als Chinaexperte. Am Dienstag war der Altbundeskanzler bei Sandra Maischberger zu Gast und wie immer wenn Besterbundeskanzlerallerzeiten im Fernsehen auftritt, verging die Sendung wie im Flug. Das Fazit seiner Aussagen war, dass er gegen jede Einmischung fremder Regierungen in die chinesische Innenpolitik ist. Auf die Frage nach den Menschenrechtsverletzungen antwortete er nur „Das ist doch deren Bier.“ Und würden wir seine Ratschläge befolgen, müßten wir wohl konsequenterweise dieses Blog abschalten.

Auch wenn er als Argument die gescheiterten Einmischungen im Irak und Ex-Jugoslavien sowie die nahezu unlösbare Situation in Afghanistan anführt, haben wir dennoch das Recht und die Pflicht uns in China einzumischen. Hätten wir keine so engen Wirtschaftsbeziehungen mit China, könnte man diese Vogel-Strauß-Taktik vielleicht durchgehen lassen. China verdient aber viel Geld mit uns und Deutschland lässt dort sehr viel (wenn auch billigst) produzieren. Da haben wir wohl schon das Recht, gewisse Standards und Wahrung von Menschenrechten zu verlangen.

Scheiß Dalai Lama?

Mai 19, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Allgemein, Tibet 5 Kommentare →

Man kann ja vom Besuch des Dalai Lama halten, was man mag. Man kann es sinnvoll oder schädlich halten, wenn sich führende deutsche Politiker mit ihm treffen. Der Weg der stillen Diplomatie mag genauso seine Daseinsberechtigung haben, wie der offene Protest gegen das menschenrechtsverletzende Regime in Peking. Dass einer konservativ und wirtschaftsfreundlich geführten Regierung die Beziehungen zu China wichtiger sind als Menschenrechte in Tibet, ist auch kein großes Geheimnis. Nach der Schelte, die Fr. Merkel beim letzten Empfang des Dalai Lama aus dem Land der Mitte bekam, hatte sie diesmal das Glück, eine gute Ausrede zu haben. Klar könnte man jetzt auch fragen, was sie in Südamerika zu suchen hatte und warum sie einmal mehr nicht den zuständigen Aussenminister schickte. Da mögen wohl eher parteipolitische Gründe den Ausschlag gegeben haben, aber das ist ein anderes Thema. Auch bin ich der Meinung, dass man den Dalai Lama sehr wohl empfangen kann, wenn sogar die chinesische Führung wieder mit dessen Vertreter verhandelt.

Frau Merkel war also entschuldigt und trotzdem wäre es ihre Aufgabe gewesen, in der Öffentlichkeit einmal deutlich Stellung zu beziehen. Scheinbar gab es aber in der Koaliton eine halbseidene Absprache, den Dalai Lama nicht zu empfangen. Und so war die Taktik wohl aussitzen und zu warten, bis der Besuch vorbei ist. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD hat das aber scheinbar niemand rechtzeitig mitgeteilt und so hat sie dem Dalai Lama in seinem Hotel einen Besuch abgestattet. Und was darauf dann als Reaktion kam, ist eigentlich nur noch peinlich. Als nämlich Kurt Beck meinte, “der Scheiß war nicht mehr rückgängig zu machen”, war das mehr als beschämend für jemanden, der seine Partei als Kanzlerkandidat in die nächste Bundestagswahl führen möchte. Von jemanden in seiner Positionen würde man ein wenig mehr Anstand und Respekt erwarten. Und wenn er dadurch seine eigene Partei erneut in die Defensive gedrängt sieht, bin ich mal gespannt, was wir in Zukunft noch hören werden, wenn mal wieder etwas gerade nicht in den Wahlkampf passt.

Wenn es nur immer so einfach wäre

Mai 14, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Tibet 7 Kommentare →

Bei seinem letzten Besuch wurde der Dalai Lama von unserer Bundeskanzlerin empfangen und anschließend gab es größtensteils Zustimmung aus allen politischen Lagern. Die chinesische Führung war darüber allerdings gar nicht amused und die Führer der deutschen Wirtschaft dürfte es auch nicht so recht gepasst haben. Das war noch, bevor die Tibetkrise eskaliert ist und im Nachhinein meinte so mancher Politiker, mit stiller Diplomatie würde man weiterkommen als mit “Provokationen”. Andererseits könnte Frau Merkel durch solche Aktionen ein Zeichen für die Menschenrechte setzen. Es allen recht zu machen, ist da natürlich unmöglich.

Der deutschen Wirtschaft hat es bisher noch nicht geschadet, aber natürlich wird immer gleich gewarnt, dass man es sich mit den Chinesen nicht verscherzen dürfe. Die Franzosen hat es schließlich schon ein klein wenig erwischt. Nach der Ankündigung von Nicolas Sarkozy, die Eröffnungsfeier in Peking zu boykottieren, wurden gleich mal ein paar Supermärkte von Carrefour gestürmt und zum Boykott französischer Produkte aufgerufen.

Morgen kommt der Dalai Lama also wieder nach Deutschland und Frau Merkel wäre da in Erklärungsnot gegenüber der einen oder anderen Seite gekommen, hätte sie ihn empfangen (oder eben nicht). Aber wie passend, wenn man eine gute Ausrede hat. So eine lang geplante Lateinamerika-Reise ist da natürlich ideal. Man ist aus der Bredouille und schiebt den schwarzen Peter einfach weiter. Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier empfängt den Dalai Lama nun seinerseits auch nicht und muss dafür gleich aus der zweiten und dritten Reihe der CDU Kritik einstecken. Nun kann ich mir aber kaum vorstellen, dass sich Chefdiplomat Steinmeier nicht mit der Kanzlerin abgesprochen hat. Die Entscheidung, dass diesmal kein hochrangiger Politiker den Dalai Lama empfängt, dürfte schon einvernehmlich getroffen worden sein.

So treffen wohl nur ein paar unbedeutende Politiker den geistigen Führer Tibets und Frau Merkel braucht sich weder bei der deutschen Opposition, noch bei den Chinesen zu rechtfertigen. Der Dalai Lama ist trotzdem dick in unserer Presse vertreten und alles bleibt wohl wie zuvor: Die Kanzlerin hebt ab und zu alibimäßig den Zeigefinger in Richtung China um ihn dann gleich wieder hinter dem Rücken zu verstecken. Sie sitzt aus und freut sich insgeheim nur, dass die Wirtschaftsbeziehungen brummen.

attac-Demo bei der adidas-Hauptversammlung

Mai 08, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Wirtschaft 1 Kommentar →

Fast alle großen deutschen Sport- und Bekleidungshersteller (Trigema mit dem charismatischen Geschäftsführer Wolfgang Grupp bildet hier wohl die Ausnahme) produzieren eine Großteil ihrer Waren in China. Am Bekanntesten ist wohl die Firma adidas aus Herzogenaurach, die heute ihre Hauptversammlung in der Stadthalle Fürth abhält. Um die eintreffenden Aktionäre an ihre moralische Verantwortung erinnern, ruft attac Nürnberg heute ab 9:30 Uhr zu einer Demonstration vor dem Eingang der Halle auf.

Wie wichtig es ist, ein Bewußtsein in der Öffentlichkeit für die Verstrickungen der deutschen Wirtschaft in Lohndumping und Ausbeutung zu schaffen, zeigen auch gerade die Aussagen von adidas-Chef Herbert Hainer. Laut ihm will adidas bis 2010 in der Volksrepublik über eine Milliarde Euro umsetzen. Gleichzeitig wies er aber jede Forderung zurück, sich zu Menschenrechtsfragen in China äußern zu müssen.

Neun Finger für Tibet

Mai 05, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele 1 Kommentar →

Logo 9fingersfortibet.comLogo 9fingersfortibet.comPolitischer Protest ist den Sportlern bei Olympia verboten. Marc Strotmann, der Kreativchef einer Münchner Werbeagentur, kam nun auf die Idee, wie die Sportler trotzdem ihre Solidarität zeigen können, ohne Represalien durch das IOC befürchten zu müssen. Und so einfach geht es:

Einfach beide Hände hoch halten. Daumen der rechten Hand einklappen. Das steht für die vier Buchstaben FREE. Die fünf Finger der anderen Hand stehen für TIBET.

Mehr Infos bei 9fingersfortibet.com.

Nachtrag: Marc Strotmann hat die Domain aufgegeben. Sie wurde von einem Domaingrabber übernommen.

Bei Jochen Gottwald gibt es dazu übrigens die passenden Shirts aus fairer und biologischer Produktion. 50% des Reinerlöses pro Shirt gehen an die TIBETER FAMILIEN HILFE.

SpOn und der Enterovirus 71

Mai 05, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien 5 Kommentare →

Schon der Header ist Unsinn. ““Kinder-Sars” breitet sich aus – schon 24 Todesfälle“. Erst im Verlaufe des Artikels räumt SpOn unterschwellig ein, dass es sich bei HFMD (Hand-Foot-Mouth-Disease) nicht um eine Unterart oder auch nur um ein entfernt verwandtes Virus der Lungenkrankheit Sars handelt. Es gibt absolut keinen sachlichen, schon gar nicht medizinischen Grund, HFMD mit Sars in Verbindung zu bringen.

SpOn aber legt noch einen drauf: “Chinas Behörden warnen vor einer neuen Epidemie, die sich ähnlich schnell und tödlich ausbreiten könnte wie einst die Atemwegserkrankung Sars.” Dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Vielmehr ist HFMD eine weltweit verbreitet auftretende Virusinfektion, die in den allermeisten Fällen völlig komplikationslos verläuft. In der Regel ist der Spuk nach drei Tagen ohne Medikation wieder vorbei. In schweren Fällen werden Fiebersenker gegeben.

Noch einmal völlig falsch dann diese Aussage: “Die durch den bis dato unbekannten Coronavirus ausgelöste Krankheit der Atemwege hatte sich 2003 von Guangdong aus verbreitet und weltweit 774 Menschen das Leben gekostet.” Richtig ist vielmehr, dass Fälle von HFMD, die durch den E-71 ausgelöst wurden, weltweit seit 1969 auftreten. Unter den betroffenen Ländern waren die USA, Europa, Brasilien, Malaysia, Taiwan, die Malediven, Australien und Indien. Seit 2003 sind nicht etwa über 700 Menschen ums Leben gekommen, sondern runde 30. Der schwerste Ausbruch des Enterovirus 71 bislang wurde 1998 in Taiwan mit geschätzten 1,5 Millionen Infizierten und 78 Toten verzeichnet. Ein Jahr zuvor starben in Malaysia 34 Kinder an HFMD bzw. den sich daraus entwickelnden Komplikationen.

“Bedrohliche Entdeckung im südchinesischen Meer”

Mai 03, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien 3 Kommentare →

“Geheime Basis für Atom-U-Boote entdeckt” schreibt SpOn mit Datum 2. Mai 2008. Vermittels Bildmaterial von DigitalGlobe visualisiert der Spiegel ein Szenario der atomaren Bedrohung asiatischer Nachbarstaaten durch China. In einem “Areal wie aus einem James-Bond-Film”, was auch immer das heißen mag, ist mutmaßlich angeblich eine unterirdische Basis für bis zu 20 chinesische Atom-U-Boote entstanden.

Mag sein, dass es tatsächlich so ist. Mag sein, dass China an dieser Stelle seine U-Boot-Flotte zusammenziehen will. Mag sein. Neu jedoch und das würde ich eigentlich von einer Nachricht des 2. Mai 2008 erwarten, ist die Information nicht. Schon seit Jahren geistern Spekulationen über vermeintliche U-Boot-Basen Chinas durchs WWW. Die Bilder liefert stets DigitalGlobe.

Darüber kann man hier, hier und hier näheres erfahren.

Übrigens: Erinnert sich noch wer an die vermeintlichen Beweisbilder für Massenvernichtungswaffen im Irak? Wollt Ihr mal raten, wer die Fotos geliefert hat? Nee? Ich sag’s Euch: DigitalGlobe.

China-Watchblog bei politik-digital.de – Nachlese

Mai 01, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Medien Noch keine Kommentare →

Gestern durfte ich eine Stunde die Fragen in der Blogsprechstunde beantworten. Ein Teil der Fragen wurde bereits im Vorfeld gestellt und so konnte ich mich ein wenig vorbereiten. Der Großteil kam aber live rein und man kommt ganz schön ins Schwitzen, wenn man halbwegs flotte und vernünftige Antworten schreiben möchte. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und vielleicht ergibt sich ja mal wieder etwas in der Art. Zum Nachlesen gibt es das Ganze im Chattranskript.