China-Watchblog

Eine Diktatur unter Beobachtung
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Artikel der Kategorie April, 2008

Brokkoli, Karotten und Tomaten

April 27, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Medien, Wirtschaft 5 Kommentare →

Ullrich Fichtner ist Reporter und hat seinen Dienstsitz in Paris. Für Spiegel Online berichtet er in der Rubrik Fichtners Tellergericht, was sich in Sachen Esskultur in Frankreich und dem Rest der Welt so tut. Der französische Fernsehsender M6 ist nach Fichtners Beschreibung eine Art Mischung aus RTL2 und Tele 5. Gestern kam aber wohl eine bemerkenswerte Reportage über die Wege, die Brokkoli, Karotten oder Tomaten nehmen, bis sie als Tiefkühlkost in den Supermärkten und in unseren Kochtöpfen landen.

Wie verlogen! Sich in Sachen China und Menschenrechte in die Brust werfen, aber klammheimlich von der Billigarbeit dort profitieren – die Chinesen schnippeln immerhin unser Tiefkühlgemüse.

Bleibt zu hoffen, dass diese Reportage auch mal bei einem deutschen Sender zu sehen sein wird. Bis dahin empfehle ich Fichtners Beitrag bei Spiegel Online.

China nimmt wieder Gespräche mit Dalai Lama auf

April 25, 2008 Von: Torsten Kategorie: Tibet 1 Kommentar →

Nachdem zwischen der Exilregierung Tibets und China aufgrund der Unruhen in Tibet zuletzt Funkstille geherrscht hat, berichten heute offizielle Quellen, das China grundsätzlich wieder bereit ist, mit Vertretern des Dalai Lama zu sprechen. Ein kleiner Anfang zur Beilegung des Konfliktes. Aber hier sollte man keinesfalls zu optimistisch sein, machen die Chinesen doch den Dalai Lama direkt für den Ausbruch der Unruhen in Tibet verantwortlich. Wie effektiv Gespräche in einem derartigen Klima sein werden, kann sich jeder selbst vorstellen.

China-Watchblog bei politik-digital.de

April 24, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Allgemein, Medien Noch keine Kommentare →

Nächste Woche Mittwoch von 19:00 – 20:00 Uhr bin ich zu Gast bei politik-digital.de*. In der Blogsprechstunde, dem Chat von politik-digital.de und den Blogpiloten, werde ich eine Stunde lang versuchen, den Fragen der Besucher Rede und Antwort zu stehen.

Werden die Olympischen Spiele in Peking wie geplant ablaufen? Wie soll sich der Westen gegenüber China verhalten? Ist die westliche Berichterstattung über China und Tibet zu einseitig?

*politik-digital.de ist eine Informations- und Kom­munikations­plattform zum Thema “Internet und Politik”. Sie wird allein vom Verein pol-di.net betrieben, der die Unabhängigkeit gewährleistet.

Menschenrechtsverletzungen in China – Die Rolle multinationaler Konzerne

April 22, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Menschenrechte, Wirtschaft 14 Kommentare →

Ein Gastbeitrag von Jochen Gottwald

Während der Proteste der letzten Wochen gegen China habe ich eine zentrale Frage schmerzlich vermisst: „Wie schafft es die chinesische Führung, die eigene Bevölkerung ruhig zu halten?“ Das im Westen gern als Wirtschaftswunderland verschriene China wird noch immer als Januskopf wahrgenommen. Auf der einen Seite die florierende und boomende Wirtschaft, auf der anderen Seite das tödlich totalitäre Regime. Hätte es nach Francis Fukuyamas wirtschaftsliberaler Theorie vom Ende der Geschichte nicht schon längst verschwinden müssen? „Zunehmender Wohlstand gleich zunehmende Partizipation“, das Credo des politisch motivierten Wirtschaftsliberalismus… bei China scheint es in brutalst möglicher Weise versagt zu haben.

Versetzen wir uns zurück in eine der heißesten Phasen des Kalten Krieges, den Beginn der 80er Jahre. China, das politisch längst mit der Sowjetunion gebrochen hatte, war zu diesem Zeitpunkt ein politischer Riese und ein wirtschaftlicher Zwerg. Mit ebenso brachialer Gewalt, wie Mao zuvor das Land in der Kulturrevolution an den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Abgrund geführt hatte, verordnete Deng dem Land nun die staatlich gelenkte Wirtschaftsliberalisierung. Wirtschaftliche Kollektivierung wurde aufgehoben, Preise wurden freigesetzt, Reichtum wurde „in“. Der Anteil der chinesischen Bevölkerung, der unter dem Existenzminumum lebt, wurde von ca. 50% im Jahr 1980 auf ca.10% im Jahr 2000 gesenkt. So zumindest die offiziellen Zahlen, mit denen sich unsere Global Player gerne brüsten, sobald Kritik an ihren Billigproduktionsstandorten laut wird.

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Gastautor Jochen Gottwald

April 22, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein 1 Kommentar →

Jochen Gottwald ist Inhaber der Firma The Fashion rEvolution, die unter dem Markennamen “better” seit Juli 2007 Arbeitskleidung, Promotionwear und Merchandisingtextilien aus Biobaumwolle und fairem Handel vertreibt. Mittlerweile gibt es auch für den Endkunden die ersten biofairen Polos, ab Juni 2008 die ersten T-Shirts.

Vielen ist er und sein Blog noch durch seine Petition gegen das Olympiaschutzgesetz in Erinnerung, die er als Folge der Abmahnung gegen das Saftblog von Kirstin Walther startete. In seinem heutigen Beitrag Menschenrechtsverletzungen in China geht er auf die Rolle ein, die multinationale Konzerne in diesem Zusammenhang spielen.

Die Ladung der An Yue Jiang

April 19, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien, Menschenrechte 4 Kommentare →

Die An Yue Jiang ist ein Frachtschiff der chinesischen Ocean Shipping Company und liegt derzeit vor oder in Durban, Südafrika. Die Quellenlage ist unklar. Teils wird gemeldet, dass das Schiff bislang nicht in den Hafen einlaufen durfte, teils wird gemeldet, die Ware sei bereits auf ihrem Wege.

Übereinstimmend wird berichtet, dass die An Yue Jiang 77 Tonnen Waffen an den Machthaber Mugabe in Zimbabwe liefern soll. Allein 3,5 Millionen Munitionseinheiten für das Schnellfeuergewehr AK47 sollen Teil der Lieferung sein. Südafrikanische Medien wollen den Vorgang aufgedeckt haben.

Die südafrikanische Regierung gibt sich ohnmächtig. Wenn die Schiffspapiere in Ordnung sind, könne man nichts machen, verlautet es aus dem Hause Mbeki. Anscheinend sind diese in Ordnung. Formalismen sind relativ leicht zu erfüllen. (Zur Erläuterung: Zimbabwe verfügt über keinen eigenen Hafen.)

China will sich den Zugriff auf Zimbabwes Platinumvorkommen wohl mit aller Gewalt sichern. Dabei ist man anscheinend der Auffassung, dass die Stützung des 84-jährigen Diktators Mugabe der richtige Weg ist. Koste es Menschenleben, soviel es wolle.

Verständlich. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Besonnenheit, Part 2

April 18, 2008 Von: Dieter Petereit Kategorie: Medien, Olympische Spiele 6 Kommentare →

Vorschnelles, unreflektiertes Handeln ist nichts, das man im Mediengeschehen gebrauchen kann. Besonnenheit ist in der Regel viel angebrachter. Würden unsere Leitmedien sich an diesen einfachen Grundsatz halten, bräuchten sie heute nicht reihenweise zu dementieren.

Dabei gebe ich zu, dass auch ich gestern ob der dpa-Meldung, dass alle ausländischen Studenten China zur Olympiade verlassen müssen, versucht war, spontan ein Pamphlet raus zu schießen. Bereits nach kurzer Recherche erschien mir aber die Faktenlage für ein derartig definitive Aussage zu schwammig. Obschon in deutschen Medien stets von “mehreren Universitäten und Diplomaten” gesprochen wurde, ließen sich nachhaltig bloß zwei Universitäten verifizieren, die – dann aber auch wieder nur angeblich – solche Aussagen getätigt haben wollten.

Schnell wurde aus der Schätzung des DAAD, “mehrere zehntausend ausländische Studenten” gebe es in China eine Faktenbehauptung. Klar, dass es dramatisch klingt, wenn man – wie die Süddeutsche- schreibt: “Im Juli und August müssen mehrere zehntausend ausländische Studenten China verlassen.” Nur wahrer wird es durch diese Dramatik leider nicht. Übrigens: Es gibt lediglich rund 1500 deutsche Studenten in China.

Heute wird nun also zurückgerudert. Und zwar, das ist das Interessante, im Prinzip unter Berufung auf die gleichen Quellen, insbesondere den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst). Von einer solchen Regelung sei nichts bekannt, ließ dieser verlauten. Wie es dazu kommen konnte, dass die dpa den Dienst zuvor mit der Angabe zitierte, dass im Sommer mehrere zehntausend ausländische Hochschüler China verlassen müssten, ist unklar. Der dpa wahrscheinlich nicht, mir schon.

Der Medienkrieg geht weiter…

Podcast Trackback auf Radio Fritz

April 16, 2008 Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein, Medien, Olympische Spiele 2 Kommentare →

Die Sendung Trackback des Berliner Senders Fritz hat sich am Samstag unter anderem mit dem Thema Olympia beschäftigt. Es gab auch ein Interview mit Dieter zu den Ambitionen des Chinawatchblog.

[audio:http://spreeblick.com/trackback/podpress_trac/web/287/0/trb_080412.mp3]
Der Podcast hat rund 50 MB und Dieter ist ab 27:30 zu hören.

Die andere (Internet)Seite

April 16, 2008 Von: Torsten Kategorie: Allgemein 2 Kommentare →

Wir haben ja von Anfang an klar gestellt, dass dieser Blog auch dazu dienen soll, kontroverse Diskussionen auszulösen sowie die Dinge von vielen Seiten zu betrachten. Bisher haben wir hier doch wesentlich über einen Boykott der olympischen Spiele, die Menschenrechtslage in China etc. geschrieben.

Aber wie denken eigentlich die Menschen, in deren Land all die Dinge stattfinden bzw. stattfinden sollen? Die meisten Chinesen, denen bewusst ist, dass die olympischen Spiele in ihrem Land stattfinden (viele Teile der verarmten Landbevölkerung haben da wohl andere Probleme), sind sehr stolz auf die Spiele und fiebern diesen entgegen. Diesbezüglich hab ich grad einen Beitrag bei TechCrunch gelesen, wonach als Reaktion auf die anhaltende Kritik des Westens an den Spielen Tausende von Chinesen einen “Love China” – Icon zu ihren MSN-Chatnamen hinzufügen, um somit Unterstützung für ihr Land zu demonstrieren.

OK, Tausende sind in China nicht eben viel. Aber laut TechCrunch verbreitet sich das Icon wie ein Virus bei den chinesischen Usern. An meiner Meinung ändert das nichts, aber auch das gilt es zu beobachten.

Die kritische Masse

April 15, 2008 Von: StoiBär Kategorie: Olympische Spiele, Tibet 8 Kommentare →

Heute hat die Judo-Kämpferin Yvonne Bönisch erklärt, dass sie aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in Tibet nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen wird. Sie folgt mit dieser Entscheidung der Degenfechterin Imke Duplitzer, die ihren Verzicht schon vor knapp zwei Wochen verkündet hat. Für die Sportler ist das wohl die vernünftigste Art des Protestes, denn niemand kann ihnen abverlangen, ihre sportliche Karriere aufs Spiel zu setzen. Gerade für die Athleten der “kleinen” Sportarten ist so eine Großveranstaltung enorm wichtig.

Die Frage ist nur, wer bemerkt so einen Protest? Bei den olympischen Sommerspielen 2004 waren 453 deutsche Sportler in Athen dabei. Wie viele davon bei der Eröffnungsfeier anwesend waren, konnte ich leider nicht recherchieren. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass immer eine größere Zahl der Athleten fehlt. Sei es, weil die Disziplin bereits am ersten Wettkampftag stattfindet oder weil der Athlet erst in der zweiten oder dritten Woche dran ist und noch gar nicht angereist ist. Wird so ein Boykott Einzelner bei der Eröffnungsfeier dann überhaupt wahr genommen? In Deutschland sicherlich, in China aber wohl kaum.

Wie hoch ist die kritische Masse? Wahrscheinlich würde es der chinesischen Öffentlichkeit nicht einmal auffallen, wenn die halbe Mannschaft fehlen würde. Ein wirkliches Zeichen könnte man also allenfalls setzen, wenn die komplette Mannschaft zusammen mit der deutschen Fahne im olympischen Dorf bleiben würde. Dafür habe ich allerdings wenig Hoffnung. DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach ist bekannterweise gleichzeitig Vizepräsident des IOC und als solcher wird er sich hüten, so etwas zu organisieren.