Eine Frage des Gewissens?
Ich möchte hier noch einmal auf das Thema “Olympiaboykott” durch die deutschen Sportler etwas intensiver eingehen. Eben habe ich bei faz.net den Beitrag “Olympia in Handschellen” gelesen, in dem deutsche Spitzensportler ankündigen, während der olympischen Spiele mit einem blau-grünen Silikonbändchen mit dem Slogan “Sport for human rights” anzutreten, um so ihren Protest zu zeigen.
Da während der olympischen Spiele generell jegliche politische Propaganda untersagt ist, wollen die Sportler den Protest nicht auf die Menschenrechtsverletzungen in Tibet im Speziellen, sondern auf die Achtung der Menschenrechte und der Pressefreiheit im Allgemeinen beziehen.
Und genau hier besteht der Knackpunkt bezüglich eines Pro oder Contra Olympiaboykott. Die an der Spitze des Protestes stehenden Sportler konkretisieren den Standpunkt, dass das Vorgehen Chinas in Tibet absolut menschenverachtend ist, wünschen aber auf der anderen Seite keinem Sportler, den Traum von einer Teilnahme an den olympischen Spielen nicht verwirklichen zu können. Die Frage ist doch, was wirklich passieren muss, um diesen Traum zu opfern und ein wirkliches Zeichen zu setzen. Wieviel Menschen müssen sterben, wieviel Aufstände durch China niedergeschlagen werden, damit man endgültig sagt, das war zuviel? Ist dies wirklich ein Rechenspiel?
Auf der einen Seite habe ich absolutes Verständnis für die Sportler. Das tägliche Training, die jahrelange Vorbereitung auf genau diesen einen Termin, die Vorfreude, der Traum einer Olympiateilnahme, evtl. ein Sieg…. (Ich habe auch in der ehemaligen DDR sechs Jahre lang Leistungssport betrieben und kann die Quälerei im Training sehr gut nachvollziehen, ebenso die Freude auf DAS große Ereignis.)
Auf der anderen Seite die Toten, das menschenverachtende Vorgehen Chinas gegen die Mönche (und nicht nur diese) in Tibet. Generell der Umgang Chinas mit nach Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie strebenden Menschen (es sei hier auch wieder an die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 gedacht, als die chinesische Armee die chinesische Demokratiebewegung brutal niederschlug).
Dazwischen stehen die Spiele. Was tun, um Protest auszudrücken? Die Eröffnungsveranstaltung boykottieren? Die Spiele komplett boykottieren? Ein Fernsehboykott der Zuschauer? Zeichen währende der Spiele (wie die blau-grünen Silikonbändchen) als sichtbares Zeichen des Protestes? Gar nichts tun, um die Spiele nicht zu gefährenden und China nicht zu verärgern?
Ich glaube, dass muss hier doch jeder Sportler (und auch Fernsehzuschauer) mit sich selbst ausmachen. Meine erste (ganz kleine Entscheidung) ist jedoch, das bei mir – egal wer nun alles teilnimmt oder nicht – der Fernseher zumindest aus bleibt.
