Rund 220 000 Uiguren sollen demnächst in sogenannte erdbebensichere Wohnblöcke umgesiedelt werden. Auf der Strecke bleibt dabei rund 85% der Stadt Kashgar in der westchinesischen Provinz Xinjiang. Der Erdbebenschutz dürfte dabei allerdings nur ein Vorwand sein. Vielmehr will man wohl etwas gegen die Aufständischen unternehmen, die sich in der verwinkelten Altstadt nicht so leicht verfolgen lassen, wie in modernen Wohnblöcken. Und so ist zu befürchten, dass erneut ein wertvoller Kulturschatz für kurzfristige politische Ziele zerstört wird. Mehr bei der NZZ
Ein belgisches TV-Team, welches in China zu Recherchen für einen Dokumentationsfilm zum Welt-Aidstag unterwegs war, wurde in der Provinz Henan von mehreren Schlägern brutal zusammengeschlagen. Entsprechend einer Meldung des Clubs der Auslandskorrespondenten in China wurden die Journalisten von acht Schlägern aus ihrem Kleinbus auf die Straße gezerrt und dort zusammengeschlagen.
Die Journalisten vermuten hinter den Schlägern lokale Beamte, denen eine unabhängigen Berichterstattung über die Lage von Aidskranken in den chinesischen Provinzen ein Dorn im Auge ist. Die Schläger stahlen alles Videomaterial der Journalisten, Speicherkarten, Handies sowie Geld.
Bereits vor dem Vorfall sollen in der Nähe der gleichen Ortschaft bereits mehrere chinesische Journalisten sowie ein Aids-Aktivist geschlagen worden sein.
Die chinesische Regierung ihrerseits, wohl noch unter dem Eindruck der olympischen Spiele, kündigte eine Untersuchung des Vorfalles an.
November 29, 2008Von: China Watchblog Kategorie: Tibet
Im Vorfeld gab es schon viele Befürchtungen, die Verfolgung und Unterdrückung der Tibeter würde nach den Olympischen Spielen wieder wie gehabt fortgeführt. Alle Anzeichen sprechen jetzt dafür, dass der Sport keine Besserung für die Minderheiten gebracht hat. Dass die Verhandlungen über eine Autonomie von Anfang an eine Farce waren, war zu erwarten und so wundert es nun leider kaum, dass nach dem Scheitern der Gespräche mit unterminderter Härte gegen das tibetische Volk vorgegangen wird. So wurde laut IGFM beispielsweise der 81-jährige Paljor Norbu in der vergangenn Woche ohne triftigen Grund verhaftet:
Am 31. Oktober wurde Paljor Norbu (81 J.) von der Volkspolizei in Lhasa festgenommen. Weil er schon früher eine Haftstrafe verbüßen musste, drohen ihm jetzt bis zu sieben Jahre Haft. Wo er gefangen gehalten wird, ist unbekannt. Als Buchdrucker betrieb Paljor Norbu am Pilgerpfad Barkhor eine kleine Druckerei, in der seit Generationen buddhistische Texte für Klöster hergestellt wurden. Bevor dieses Geschäft vom chinesischen Sicherheitsdienst geschlossen wurde, beschlagnahmten die Beamten die hölzernen Druckstöcke. Dieses Beispiel zeigt, dass nun auch massiv gegen Tibeter vorgegangen wird, die nicht direkt an den Aufständen in diesem Frühjahr beteiligt waren, aber der Beihilfe verdächtigt werden.
September 24, 2008Von: Katha Kategorie: Wirtschaft
4 tote Babys, 53 000 erkrankte Kinder: Die Zahlen des jüngsten Skandals in China sind erschreckend. In Milchsammelstellen versetzte man die Milch mit der Chemikalie Melamin. So kann bei verdünnter Milch der Proteingehalt erhöht werden. Die ersten Fälle traten bereits im August auf, doch während den olympischen Spielen tat die Regierung alles um den Skandal unter Verschluss zu halten. Denn die Spiele sollte keine negativen Schlagzeilen stören.
Die Vorkommnisse in China zeigen eines ganz genau: Seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes unter Deng Xiaopeng vor rund 20 Jahren wütet ein grenzenloser Kapitalismus im Reich der Mitte. Die Gier nach Geld nimmt immer krassere Formen an: Imitate von allen westlichen Marken sind alltäglich, ja dominieren zum Teil sogar das Leben. Es gibt Autos, die haargenau wie Smarts aussehen, doch vorne befindet sich ein unbekanntes Emblem. Das Gleiche mit Schuhen, Handys oder industriellen Maschinen. So verdienen viele ihr Geld, westliche Firmen kostet es Milliarden.
Und vielen Menschen kostet es sogar das Leben: Vergiftetes Spielzeug, vergiftete Leukämiemedikamente, vergiftetes Milchpulver. Unternehmer mit krimineller Energie haben es in China leicht, ihre Waren an den Mann zu bringen. Sofern es Kontrollen gibt, können sie leicht mit ein paar Bündel rosaroter 100 Yuan-Scheine oder den richtigen Freunden an den richtigen Stellen in der kommunistischen Partei umgangen werden. Dieses “Vitamin B” wäre im Milchpulver besser aufgehoben. Natürlich kann ich und sicherlich auch ihr die Millionen verstehen, deren Lebensverhältnisse sich in den letzten sieben bis zehn Jahren verbessert haben. Sie, die sich nun Fernseher, Roller und Handys leisten können. Doch von dieser Mittelschicht spreche ich nicht.
Ich klage die Entscheider an, die, die an den Hebeln sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft sitzen. Sie sind es, die ohne jegliche Moral agieren und skrupellos Todesopfer in Kauf nehmen.
September 24, 2008Von: China Watchblog Kategorie: Allgemein
Seit heute haben wir eine Neue im Team! Katharina Brunner hat nach dem Abitur neun Monate in China verbracht. Wieder in Deutschland arbeitet die Neu-Regensburgerin nun als freie Mitarbeiterin bei der Passauer Neuen Presse und diverse Onlinemedien. In Ihrem schafott.blog schreibt sie über Politik, Geschichte, Medien, Literatur und alles andere, das sie interessiert. Ihre Erfahrungen, die sie in China gemacht hat, bringt sie ab sofort bei uns mit ein. Willkommen im Team!
Kaum eine größere Firma, die derzeit nicht auf den chinesischen Markt drängt. Alle wollen sie am Kuchen teilhaben und den größtmöglichen Gewinn machen. Die Kehrseite der Medaillie zeigt Rudolf Weiler auf. Der Geschäftsführer der Digisound-Electronic GmbH aus Norderstedt war einer der ersten, der in China investiert hat. In einem Interview mit T-Online erklärt er, warum er sein Engagement in China beendet und warum er deutschen Unternehmen zur Vorsicht rät.
Wir werden von vorne bis hinten kopiert. Es ist neben unserer gemeinsamen Fabrikation eine Art parallele Fertigungshalle entstanden. Dort werden tatsächlich alle Produktionsanlagen kopiert und die Arbeitsabläufe nachgeahmt. Dabei werden sämtliche Verträge gebrochen, die überhaupt zu brechen sind. Schlimm daran ist, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die Chinesen werden immer radikaler, wenn es darum geht, ihre Chancen zu nutzen.
[...]
Wichtig ist außerdem ein Konzept, mit dem man spätestens nach drei Jahren die Investitionen wieder raus hat und das in den folgenden zwei Jahren gute Gewinne beschert. Spätestens dann wird der chinesische Partner versuchen, Sie mit den eigenen Konstruktionen vom Markt zu verdrängen. [...] Das hat mit geltenden Steuervergünstigungen zu tun. Nach fünf Jahren sind alle Fristen abgelaufen und die chinesische Seite ist nicht mehr auf den deutschen Partner angewiesen. Das ist genügend Zeit, um das nötige Wissen für Kopien zu sammeln. Fünf Jahre – da können Sie die Uhr nach stellen.
Bekannterweise gibt es immer wieder Protestaktionen, die dann recht schnell von der Polizei beendet werden. Natürlich wollen die Protestierenden möglichst viel öffentliche Wirkung erreichen, bevor sie verhaftet werden. Während aber fast alle Fernsehsender seit Beginn der Spiele dazu übergegangen sind, nur noch Sport zu übertragen, gibt es auch ein paar akkreditierte Journalisten, die sich für das Geschehen rund um die Sportstätten interessieren. Wie gefährlich es sein kann, wenn man nur die Proteste filmt, macht das nachfolgende Video deutlich. Darin berichtet John Ray lediglich von einer Free Tibet Aktion und wird, ehe er sich versieht, selbst verhaftet – trotz Akkreditierung. Schöne Spiele noch!
Die Details zu den Eröffnungsfeiern werden immer bizarrer. Nach der Manipulation der TV-Aufnahmen und dem “Milli Vanili”-Effekt bei der Darbietung der “Ode ans Vaterland” durch die 7jährige Chinesin Lin Miaoke nun das nächste Highlight chinesischer Inszenierungskunst. Wie heute bei der ARD gesehen, mussten chinesische Soldaten 9! Stunden reglos in Kisten mit chinesischen Schriftzeichen ausharren, um diese dann wie von Zauberhand während der Eröffnung zu bewegen. Um das irgendwie auszuhalten, trugen die Soldaten Windeln, um ihre Notdurft irgendwie verrichten zu können.
Ohne Kommentar. Wie gut, das ich mir das nicht angesehen habe…
Mit ihrer «Ode ans Vaterland» hat die kleine Chinesin Lin Miaoke bei der Olympia-Eröffnungsfeier Millionen Landsleute und Fernsehzuschauer in aller Welt gerührt. Jetzt stellte sich heraus: Das sieben Jahre alte Mädchen bewegte beim Singen nur die Lippen. Die wirkliche Sängerin war den Organisatoren offenbar nicht hübsch genug.
Laut heise war ein Teil der TV-Aufnahmen von der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen in Peking nicht echt, sondern sind am Computer entstanden. Ein Angestellter der Video-Produktionsfirma hat wohl nicht dicht gehalten und so kam jetzt heraus, dass es sich um eine Computeranimationen handelte.